Immer mehr wollen in die Politik

Januar-Gewinnspiel - Das Scheisskalt - Paket 2021 - alles weitere im Gewinnspiel - Thread.
MFF - WINTERBISHI - 2021 - alles weitere im Teilnahme - Thread.
  • Amt statt Industrie – Warum die meisten Nachwuchstalente für den Staat arbeiten wollen

    Ein Viertel der Nachwuchstalente will im öffentlichen Dienst arbeiten, zeigt eine Studie. Woran liegt das? Und welche wirtschaftlichen Folgen hat das?

    Besser hätte es für Cordula Stolz kaum laufen können: Prädikatsexamen, Doktortitel, Angestellte bei einer Großkanzlei. Die Juristin war auf dem besten Weg zur Partnerin – bei Anwälten ist das die höchste Karrierestufe. Das war 2011. Heute ist Stolz Richterin am Landgericht Paderborn. Statt in Berlin lebt sie in der ostwestfälischen Provinz. Statt um Private Equity kümmert sich die 41-Jährige um Ladendiebstahl und Mord. Statt 160.000 Euro verdient sie gerade mal die Hälfte.

    Was sie zum Wechsel bewogen hat? Der Job gebe ihr das schöne Gefühl, „das zu tun, was richtig ist“. Als Anwältin habe sie immer dem Interesse der Mandanten folgen müssen, als Richterin sei sie „nur an Recht und Gesetz gebunden“. Gerade während der Pandemie sei ihr besonders bewusst geworden, welche Sicherheit ein Job im Staatsdienst biete.

    Richterin Stolz ist während ihres Berufslebens in den öffentlichen Dienst gewechselt. Immer mehr Nachwuchstalente wollen dort direkt ihre Karriere beginnen. Das zeigt eine Befragung der Beratungsgesellschaft EY unter 2000 Studierenden, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt. Ergebnis: 26 Prozent der Uni-Absolventen streben eine Beschäftigung im öffentlichen Dienst an. In die Autoindustrie zieht es nur zwölf Prozent, bei Banken wollen sechs, bei Versicherungen vier Prozent arbeiten.

    Traumjob Beamter: Schon vor der Pandemie war Vater Staat unter Studierenden der beliebteste Arbeitgeber – gerade für Juristen, Sozial- und Geisteswissenschaftler. „Die Erfahrungen der Krise haben dazu geführt, dass Hochschulabsolventen bei der Berufswahl so sicherheitsorientiert sind wie nie zuvor“, sagt EY-Personalexperte Oliver Simon.


    HB151222020b.jpg   HB151222020a.jpg1-formatOriginal.png


    Für zwei Drittel der Studierenden ist ein sicherer Job der wichtigste Faktor bei der Wahl des Arbeitgebers, zeigt die Umfrage. Es ist noch gar nicht so lange her, da ging es Nachwuchstalenten noch darum, möglichst viele Entscheidungen autonom zu treffen und eigene Ideen zu verwirklichen.

    Diesen Wertewandel erklärt sich der Berliner Bildungs- und Jugendforscher Klaus Hurrelmann so: Ob es die Terroranschläge vom 11. September seien, die Weltwirtschaftskrise, die Katastrophe von Fukushima oder nun die Coronakrise – „die Generation Y ist in einer Zeit groß geworden, in der nichts sicher war“. Deshalb suchten junge Menschen nach einer beruflichen Garantie, so der Experte der Hertie School of Governance. Und die finden sie eben im Staatsdienst.

    Tatsächlich: Während sich Manager und Mitarbeiter in der freien Wirtschaft vielerorts um ihren Job sorgen, ist im Amt alles wie immer: keine Kurzarbeit, keine Entlassungen, keine Insolvenzsorgen. Und nicht nur der Job ist sicher – auch die Bezahlung. Die üppigen Pensionen bieten gerade im Alter soziale Sicherheit.

    Eine Liebesbeziehung zwischen Studierenden und Staatsdienst kann EY-Experte Simon aber nicht feststellen. Nur 22 Prozent der Befragten schätzen Vater Staat als sehr attraktiven Arbeitgeber ein. Die IT-Branche bekommt Zustimmungswerte von 56 Prozent. Und doch wollen die meisten zum Staat. „Studierende suchen sich ihren Arbeitgeber während der Coronakrise eher rational aus“, sagt Simon.


    Dabei bietet der Staatsdienst mehr, als das Klischee von behäbigen Beamten, staubigen Amtsstuben und dichtem Paragrafendschungel vermuten lässt. Im Wettbewerb um die besten Talente lockt der Staat vor allem mit sinnvollen Beschäftigungen. „Die Jobs des öffentlichen Dienstes haben eine sehr hohe sinnstiftende Bedeutung“, sagt Gisela Färber, Professorin an der Deutschen Hochschule für Verwaltungswissenschaften in Speyer. „Das ist schon etwas anderes als Plastikpuppen zusammenzuschrauben oder sich für das Gewinnstreben eines Einzelunternehmers aufzuopfern.“

    Die EY-Umfrage zeigt, dass der öffentliche Dienst gerade unter Frauen ein attraktiver Arbeitgeber ist. 34 Prozent gaben das an, bei den Männern waren es nur 19 Prozent. Gründe gibt es genug: Die Paderborner Richterin Stolz erzählt, dass sie Beruf und Privatleben im Staatsdienst einfacher vereinbaren könne. Zu Kanzleizeiten hätten viele ihrer Mandanten erwartet, dass sie rund um die Uhr erreichbar sei. Stolz ging bei beiden Kindern in Elternzeit, arbeitet nun wieder ganztags.

    Auch wer in Teilzeit war und wieder ganztägig arbeiten möchte, hat es im Staatsdienst seit Langem leichter als in der Wirtschaft, wo es erst seit Anfang 2019 ein gesetzliches Recht auf Rückkehr in Vollzeit gibt. Und: Anders als in vielen Wirtschaftsunternehmen bekommen Frauen im Staatsdienst genauso viel Geld wie ihre männlichen Kollegen – schließlich unterscheiden die Tariftabellen nicht nach Geschlecht.

    Bedenkliche Entwicklung

    Für den Einzelnen mag die Beschäftigung im Staatsdienst gewinnbringend sein, doch gesamtwirtschaftlich beobachten Experten diese Entwicklung mit Sorge. „Deutschland lebt von der verarbeitenden Industrie, von pfiffigen Unternehmern, von Innovationen, die Arbeitsplätze schaffen. Das hat Deutschland reich gemacht – und nicht der öffentliche Dienst“, sagt der Freiburger Finanzwissenschaftler Bernd Raffelhüschen. Hinzu komme: „In der freien Wirtschaft arbeiten Menschen in der Regel produktiver als im öffentlichen Dienst.“

    Gerade in Zeiten, in denen sich die Wirtschaft abkühlt und Branchen wie die Autoindustrie vom technischen Umbruch bedrängt werden, braucht Deutschland mutige Innovatoren. Doch in Umbruchzeiten wollten nur wenige junge Menschen Verantwortung übernehmen, so Soziologe Hurrelmann: „Das ist keine Faulheit, aber eine vielfach zu beobachtende Bequemlichkeit.“

    Unternehmern wie Wolfgang Grupp stoßen solche Einstellungen sauer auf. „Wir tragen die jungen Leute zu sehr auf Händen“, sagt der Trigema-Chef dem Handelsblatt. So entstehe eine Anspruchshaltung wie bei keiner Generation zuvor. Viele wollten möglichst viel Freizeit und „nur dann arbeiten, wenn es anders nicht geht“. Das sei in einem Beamtenverhältnis sicher einfacher durchzusetzen, sagt Grupp.

    Auch wenn der Staatsdienst für viele wie ein Traumberuf erscheint, im Alltag müssen sie sich mitunter auch auf ernüchternde Erfahrungen einstellen: Die Entscheidungswege sind oftmals länger als in der Wirtschaft, das Regelkorsett ist durch Verordnungen enger – und die Bezahlung oftmals schlechter, gerade je höher man in der Hierarchie angesiedelt ist.

    Beispiel IT-Führungskräfte: Sie kommen nach Daten der Beratung PwC in der Wirtschaft auf 160.000 Euro pro Jahr, im öffentlichen Dienst ist es die Hälfte.


    Bei solchen Unterschieden kann Vater Staat noch so viel mit Sinn und Sicherheit werben – gerade IT-Beschäftigte wird man damit nicht in den öffentlichen Dienst locken. Daran wird auch die Coronakrise nichts verändert haben. Und so werden die Klagen der Behörden über einen enormen Fachkräftemangel bei den Softwareentwicklern auch in Zukunft zu hören sein.
    Während an der Spitze die Verdienste begrenzt sind, gilt das am unteren Ende der Hierarchie für die Laufzeiten der Verträge. Im öffentlichen Dienst waren zuletzt 60 Prozent der Neuverträge befristet, hat das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung ausgerechnet, in der Privatwirtschaft nur 40 Prozent. Insbesondere an Universitäten hangeln sich Nachwuchswissenschaftler oft von Stelle zu Stelle oder von Projekt zu Projekt. Der Grund: Weil der Staat seine Angestellten oft lebenslang an sich bindet, schafft er eben nur zögerlich neue Dauerstellen.

    Doch es gibt Ausnahmen: Die Paderborner Richterin Stolz hat direkt einen unbefristeten Vertrag bekommen. In ihrem Büro vermisst sie allerdings den Luxus der Großkanzlei. Es sei alles karger, „nicht schick, aber funktional“ und die IT nicht gerade neu, „aber doch ausreichend“. Nicht alles, aber doch vieles ist schön bei Vater Staat.


    Handelsblatt, 16.12.2020

    Wenn du etwas zu sagen hast, sollte das was du sagen willst, besser sein, als wenn du schweigen würdest ! :pen

  • Immer mehr wählen den leichten Weg.
    Kohle ohne Ende wollen sie alleaber keiner will sich mehr die Hände schmutzig machen oder Verantwortung übernehmen.

    Du sollst nicht stehlen....,
    Du sollst nicht lügen.....,
    Du sollst nicht betrügen...,
    Du sollst nicht töten....,
    Du sollst nicht mit Drogen handeln...,
    ..... die Regierung deines Landes hasst Konkurrenz !