Sind unsere Dörfer noch zu retten ?

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  • Gesellschaftlicher Brennpunkt
    Sind unsere Dörfer noch zu retten ?

    Jeder Mensch in Deutschland hat das Recht auf gleichwertige Lebensverhältnisse, so interpretieren Experten das Grundgesetz. Das Problem: An einer haltbaren Definition, was gleichwertig überhaupt bedeutet, ist die Politik bisher gescheitert. Stattdessen ist sie vielmehr jahrelang der Spirale aus Abwanderung, schwacher Wirtschaftskraft und weiterer Abwanderung hinterher gerannt, kritisiert Felix Rösel vom ifo-Institut Dresden. Und hat versucht, die Zahlen durch Verwaltungs- und Gemeindereformen schön zu rechnen. Jetzt gibt es in Deutschland Landkreise, die größer als das Saarland sind, bei denen man bis zum nächsten Amt mehrere Stunden fährt. Die Folge: Die Einwohner werden entmündigt, haben keine Entscheidungsgewalt.

    Dort, wo Kreise oder Gemeinden fusionieren, sinkt das Engagement der Bürger, es sinkt die Wahlbeteiligung – und es profitieren Populisten. Die Zahlen sind düster: 15.000 Kilometer Bahngleise wurden in den letzten 70 Jahren Deutschlandweit stillgelegt, seit 1990 hat sich die Zahl der Supermärkte halbiert. Im ähnlichen Zeitraum haben allein in Sachsen knapp 40 Prozent der Grundschulen auf dem Land geschlossen. Bis 2035 werden deutschlandweit etwa 11.000 Hausärzte fehlen – die meisten von ihnen auf dem Land.

    Lohnt es sich, alle Dörfer zu erhalten ?

    "Einen echten Paradigmenwechsel. Einen neuen Politikansatz, den es so seit der Wiedervereinigung nicht gab", nannte Heimatminister Horst Seehofer Anfang des Jahres den Zwischenbericht der extra eingerichteten "Kommission für gleichwertige Lebensverhältnisse" – die Fachwelt spricht dagegen von einem schwachen Rettungsversuch, der weit unter den Möglichkeiten bleibt. Denn was bringen unzählige neue Fördertöpfe, wenn diese nur den eh gut dastehenden Kommunen helfen – und Bürokratie jedes Engagement im Keim erstickt?

    Schließlich werden schon jetzt in Mecklenburg-Vorpommern gerade einmal 21 Prozent der möglichen Fördergelder abgeholt, während es in Baden-Württemberg 83 Prozent sind. Und über allem schwebt die Frage: Lohnt es sich – rein wirtschaftlich und ökologisch betrachtet – tatsächlich, alle Dörfer zu erhalten? Und sollte Daseinsvorsorge nicht besser komplett neu gedacht werden?


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    Die Aufgabe der Dörfer ist gar keine Option !

    Das ist ein Schattenboxkampf! Weder die Metropolen, noch die Mittelstädte haben die Flächen, um so eine Transformation zu ermöglichen. Das liefe dann im Extremfall auf die Wahl zwischen Wohnen auf dem Land oder Obdachlos in der Stadt hinaus. Aber es geht auch gar nicht darum, die Dörfer um jeden Preis zu "retten". Es geht im Kern um eine Wirtschaftspolitik, die eine Ansiedlung außerhalb der Städte attraktiv macht - und vor allem auch den Dienstleistungsbranchen genug Marge lässt, damit die auf kleineren Skalen existieren können. Entweder man geht in die Umverteilung über Steuern und der Staat schafft diese Spielräume - oder man beschneidet die Möglichkeiten der Gewinnerzielung drastisch. Da Ziel muss es sein, die extremen Vorteile der Konzerne zugunsten der KMU abzubauen, damit die in der Fläche ihre Ökosysteme schaffen können. Bisher ist das Gegenteil passiert mit den bekannten Fehlentwicklungen. Mit der Arbeit kommt dann auch das Leben zurück.

    Doku in der ARD-Mediathek :
    https://www.daserste.de/inform…r-noch-zu-retten-106.html

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