Profifussball - Bodenhaftung geht immer mehr verloren

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  • Profifußball in der Pandemie
    Die Bodenhaftung geht weiter verloren

    Der Profifußball wurde nicht so hart getroffen wie viele andere Branchen in dieser Corona-Pandemie. Er genießt schließlich Privilegien. Ein Privileg ist ein Vorrecht, das einer einzelnen Person oder einer Personengruppe zugeteilt wird. Dieser Privilegien sollte sich der Profifußball bewusster werden.

    Fußball spielen ist ihr Job und den dürfen sie aktuell ausüben. Ganz im Gegensatz zu vielen anderen Berufsgruppen dürfen Profifußballer – stets getestet und ziemlich gut frisiert – ihrem Beruf nachgehen.

    Im Vertrauen auf ein sogenanntes Hygienekonzept der Deutschen Fußball Liga dürfen sie kicken, obwohl unter anderem mindestens sechs Bayern-Profis Corona positiv waren, gar acht Wolfsburger und neun Hoffenheimer positiv getestet wurden. Spielausfälle gab es deshalb keine. Es sind schließlich alles Einzelfälle, die im Notfall im Privatjet ausgeflogen werden. Der Rest wird ja wieder getestet. Immer wieder. Sind ja auch keine Erzieher oder Pflegerinnen.

    Wenn dann im Europacup mal wegen Virusmutationen Reisebeschränkungen und damit Spielausfälle drohen, dann ist auch das kein Problem für erfinderische Fußballfunktionäre. Sie tauschen einfach die Spielorte und so findet das Spiel des deutschen Vertreters aus Hoffenheim bei den Norwegern aus Molde im spanischen Villarreal statt.

    Das Virus wird einfach ignoriert

    Es wird also munter durch Europa gejettet, was sogar das für den Sport zuständige Bundesinnenministerium kritisiert. Ebenso wie Reisen der Bayern nach Katar, um an einer sogenannten Klub-Weltmeisterschaft teilzunehmen. 7-Tage-Inzidenz dort: knapp unter 100. Gespielt wurde vor 12.000 Zuschauern. Das Virus wird einfach ignoriert, so wie Schiedsrichterinnen von Scheichs bei einer Siegerehrung.

    Wenn in dieser weltweiten Pandemie weiterhin auf eine Europameisterschaft in zwölf unterschiedlichen Ländern gesetzt wird mit hunderten Sportlern, Funktionären und Medienschaffenden, die quer durch Europa reisen. Wenn die Champions League auf 36 Clubs aufgeblasen wird und sich in Zukunft einige Vereine nicht mal mehr qualifizieren müssen. Wenn Hoeneß und Rummenigge einen verbotenen Nachtstart in Brandenburg zum staatstragenden Skandal machen wollen. Wenn Rummenigge gar vorschlägt, dass seine Bayern-Spieler doch früh geimpft werden sollen, weil sie dann doch so gute Vorbilder wären. Und wenn dieser Vorschlag dann noch von einem Funktionär kommt, der es in den letzten Wochen kaum einmal hinbekommen hat, seine Maske richtig aufzusetzen, dann kommt man aus dem Kopfschütteln nicht mehr heraus.

    Es sind diese Geschichten – und das sind nur die größten Auffälligkeiten der letzten Wochen – die Fußballfans ins Grübeln bringen, ob das noch ihr Lieblingssport ist.

    Und es ist noch gar nicht lange her, da klangen die Vereine und Aktiengesellschaften der Bundesliga so, als hätten sie verstanden. Sie zeigten sich ziemlich demütig, denn ohne Spielgenehmigung drohten Pleiten der Fußballclubs. Die DFL versprach „Selbstkritik zu üben mit Blick auf Fehlentwicklungen in den vergangenen Jahren“. Nachhaltigkeit, Stabilität und Bodenständigkeit sollten daher künftig zu den entscheidenden Werten gehören.

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    Flick nennt Lauterbach „sogenannten Experten“

    Doch statt Bodenständigkeit geht die Bodenhaftung weiter verloren. Hansi Flick nennt den promovierten Epidemiologen Karl Lauterbach einen „sogenannten Experten“. Eintracht-Manager Fredi Bobic kritisierte Zuschauerverbote und meinte, die „Politik darf nicht überdrehen“. Nicht überdrehen, ja, das wäre schön. Es wäre schön, wenn der Profifußball nicht inmitten dieser Pandemie seinen letzten Funken Anstand verlöre. Wenn statt Gier wieder gesunder Menschenverstand herrschen würde.

    Das heißt nicht, dass man staatliche Maßnahmen nicht kritisieren soll. Es gäbe zum Beispiel guten Grund sich für Bewegungsmöglichkeiten jugendlicher Amateurfußballerinnen und Amateurfußballer einzusetzen, die seit Monaten zuhause hocken.

    Hier wäre es wichtig, wenn sich zum Beispiel der Deutsche Fußball-Bund zu Wort melden würde. Um sich für seine Mitglieder einzusetzen, um für das Ehrenamt und für das Überleben der Vereine zu kämpfen. Doch der DFB gibt lieber Geld für unwichtige Wikipedia-Artikel aus oder verheddert sich in internen Streitigkeiten.

    Man erinnere sich: Im Mai, bei Wiederaufnahme der Bundesliga, gab es erhebliche Zweifel. Nicht ob des Hygienekonzeptes, sondern wegen der Fußballfans, die sich bei den Spielen außerhalb der Stadien treffen würden und so für „Superspreading-Events“ sorgen könnten. Fußballfans haben sich getroffen. Allerdings ziemlich selten. Bei Aufstiegsfeiern oder nach Pokalerfolgen wurde ein bisschen gehupt, gejubelt und Pyro gezündet. Meist sogar mit Abstand. Es waren sogar die oft gescholtenen Ultras, die sich als erste mit Bannern bei medizinischem Personal bedankten.

    Gefahr für Profifußball geht von Funktionären aus

    Es zeigt sich also einmal mehr: Die größte Gefahr für den Profifußball geht nicht von den Fans, sondern von den Funktionären aus. Und es zeigt sich, dass es endlich mehr Politikerinnen und Politiker braucht, die sich trauen deren Forderungen zu widersprechen. Und es braucht eine Öffentlichkeit, die sagt: Diesen Wahnsinn machen wir nicht mehr mit. Das schauen wir uns nicht mehr an. Denn nur ohne Öffentlichkeit werden Sponsoren irgendwann ihre Unterstützung infrage stellen und nur dann werden die Verantwortlichen merken, dass sie so nicht mehr weitermachen können.

  • Ich habe letztens ein interessantes Statement gelesen, weiss aber nicht mehr wo.
    Da hat sich ein Profifussballer aus Italien auch darüber Gedanken gemacht, dass es moralisch und ethisch nicht mehr mit einem guten Gewissen erklärbar ist, wenn in den Top-Ligen des europäischen Fußballs Transfersummen von 100, 200 oder mehr Millionen Euro für einen Fußballspieler bezahlt werden, während am anderen Ende der Welt 5jährige in Kobaltminen Sklavenarbeit verrichten und einen qualvollen Tod im Kindesalter verrecken,weil ihre Familien nichts zu fressen haben...... Wir sind im 21. Jahrhundert, da sollte so eine Entwicklung mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln verhindert werden. Ich fand den Denkansatz absolut nachvollziehbar.

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