Beiträge von TMC

Onlineabstimmung - MFF "Auto des Jahres 2020" - alles weitere im Abstimmungsthread.

Februar 2021- Rettet den Diesel! - alles weitere im Gewinnspiel - Thread.
MFF - WINTERBISHI - 2021 - alles weitere im Teilnahme - Thread.

    original.jpg

    Darum kehren Kunden ihrer Werkstatt den Rücken


    Der meisten Autofahrer bleiben ihrer Werkstatt zwar treu. Dennoch gibt es auch unzufriedene Kunden. KÜS und »kfz-betrieb« haben nachgefragt, warum sie das sind und worauf sie bei der Wahl eines neuen Reparaturpartners achten.


    MT01.jpg   MT02.jpg


    Unzufriedenheit mit der Reparatur, zu hohe Werkstattpreise oder ein Vertrauensverlust sind die am häufigsten genannten Gründe, warum Privatkunden ihrer zuletzt besuchten Kfz-Werkstatt den Rücken kehren möchten. Darüber hinaus kratzt auch die abgelaufene Gewährleistungszeit oder die schlechte Lage des Betriebs an der Kundenloyalität, wie aus den Zahlen der aktuellen Trend-Tacho-Studie „Werkstattwahl und Servicekompetenz“ der Sachverständigenorganisation KÜS und der Fachzeitschrift »kfz-betrieb« hervorgeht. Insgesamt möchte etwa einer von zehn Autofahrern seine Werkstatt wechseln.

    Das bedeutet im Umkehrschluss, dass rund 90 Prozent der Befragten mit den Leistungen ihrer Werkstatt zufrieden sind. Die Kfz-Betriebe schaffen es dabei in den meisten Fällen, ihre Kundschaft langjährig an sich zu binden: Im Schnitt haben die Autofahrer die Werkstatt, in der zuletzt Arbeiten durchgeführt wurden, bereits sieben Mal besucht. Auffällig dabei ist, dass die großen Werkstattketten wie ATU, Pit-Stop und Co. mit rund fünf Besuchen deutlich unter dem Wert der freien und markengebundenen Werkstätten liegen.


    MT03.jpg


    Bei der Wahl einer neuen Werkstatt vertrauen rund drei Viertel der Pkw-Fahrer auf die Empfehlungen ihrer Bekannten. Etwa zwei Drittel halten gleichzeitig auch die im Internet abgegebenen Bewertungen für hilfreich und auch glaubwürdig. Rund 12 Prozent haben dabei angegeben, dass sie eine Werkstatt aufgrund einer schlechten Bewertung nicht aufgesucht haben. Bei den Autofahrern bis 29 Jahren liegt dieser Wert sogar bei 37 Prozent. Das sollten Kfz-Betriebe zum Anlass nehmen, um sich aktiv um die Bewertungen im Netz zu kümmern.

    Auch die regelmäßig durchgeführten Werkstatttests diverser Endkundenzeitschriften oder der bekannten Prüforganisationen sind für viele Autofahrer eine verlässliche Informationsquelle hinsichtlich der Arbeitsqualität der Betriebe.

    Genauso kompetent, aber günstiger

    Was diese betrifft, unterscheiden übrigens nur wenige Autofahrer zwischen freien und markengebundenen Betrieben. Die Werkstätten auf dem freien Markt werden aus der Sicht der überwiegenden Zahl der Kunden nach wie vor als gleichwertige, kompetente Ansprechpartner im Vergleich zum gebundenen Markt gesehen. Gleichzeitig empfinden etwa 70 Prozent der Befragten die freien Werkstätten als eindeutig günstiger.


    MT04.jpg    MT05.jpg


    https://www.kfz-betrieb.vogel.…att-den-ruecken-a-989054/

    So leicht stelle ich mir das mit dem Ersatz auf diese Weise aussortierter Mitarbeiter auch nicht vor !
    Es wäre kontraproduktiv zum sooft erwähnten Fachkräftemangel, auch wenn es natürlich ein prima Vorwand ist, lang gediente Mitarbeiter loszuwerden, wo irgendwann vielleicht mal Abfindungen im Raum stehen oder der Lohn zu hoch ist. Aber juristisch ist das Thema sehr komplex.
    Weil es einen Unterschied macht, ob der Staat und damit die Legislative in deine Persönlichkeitsrechte eingreift, oder ob das dein Arbeitgeber macht, weil er denkt eine zivilrechtliche Handhabe durchsetzen zu können.
    Ich kann mir auch nicht vorstellen, das irgendein Arbeitgeber auf diese Idee käme, da die AG ja lange Zeit alle haben weiter zur Arbeit kommen lassen, obwohl Kurzarbeit oder Homeoffice als Alternative sinnvoller gewesen wäre.

    DWO-FO-Teaser-Skat-gendern-ks-jpg.jpg

    Gendern – das erinnert mich inzwischen an einen Fleischwolf

    Tagesschau und Deutschlandfunk, Duden Online, die neue Schule meines Sohnes: Immer öfter begegnen mir Sprechpausen, Sternchen und Neutralisierungen. Am Anfang ging das ganz langsam, jetzt erscheint es mir plötzlich wie eine große Welle. Dabei war Sprache bislang nie zu schnell für mich. Ich konnte ihr beim Wachsen zusehen und sie hierhin und dorthin verfolgen. Aber die aktuelle Veränderung macht mir Angst. Sie erinnert mich an einen Fleischwolf. Als Texterin und Journalistin begreife ich nicht, wie das ausgerechnet so viele Medien mitmachen können – das sind doch Textprofis mit Sprachgefühl.

    Gegen hauptberufliche Gender-Beauftragte und ganze Sendeanstalten fühle ich mich als alleinerziehende Mutter sehr zeitknapp und allein. Aber ich will diese Sprache verteidigen! Sie soll nicht zerstört werden – und es muss doch mehr Menschen geben, die das nicht zulassen wollen!

    Was ist Sprachgebrauch? Was ist verordnet?

    Zunächst möchte ich klarstellen, dass ich natürlich auch zur Ärztin gehe und selbst Texterin bin. Doch diese Verwendung der weiblichen Form hat sich im Sprachgebrauch entwickelt.

    Etwas anderes ist es, wenn ein Staat Sprachgebrauch per Gesetz, Vorschrift oder Erlass vorschreibt – das nennt man dann Zwang. Und auch wenn Gleichstellungsbeauftragte in Universitäten Leitfäden zur gendersensiblen Sprache verteilen, ist das keine natürliche Sprachentwicklung. Sprache per Zwang und Druck zu normieren, führt in die Unfreiheit. Es gibt keinen freien Sprachzwang. Bisher waren dafür eher Diktaturen wie das Dritte Reich oder die Franco-Diktatur bekannt. Ich finde es beschämend, dass nun eine Demokratie in ein derart wichtiges Werkzeug der Freiheit so stark eingreift, und nehme es als lautes Alarmsignal wahr.

    Thema verfehlt: Gendern schadet der Emanzipation eher

    Zudem erreicht aus meiner Sicht die Gender-Sprache das genaue Gegenteil. Ich möchte als Frau zumindest nicht permanent in meiner Geschlechterrolle angesprochen werden. Das ist nicht emanzipiert. Es klingt, als seien Frauen eine Opfergruppe, die besondere Ansprache benötigt. Ich bin aber überhaupt kein Opfer gewesen!

    Wörter müssen doch meistens gar nicht geändert werden. Sie nehmen neue Inhalte einfach in sich auf. Beispiel: War früher „öko“ ein Schimpfwort, so ist es heute ein Gütesiegel. Die „Schublade“ bei Ikea ist eine andere als die in unserem Kopf. Waren früher Wähler nur Männer, läuft heute eine buntgemischte Menge vor dem inneren Auge zur Wahlurne. Und ja, der Plural ist männlich. Aber das ist unsere Historie! Früher war die Welt nun mal stark männerdominiert. Warum die Worte um diese Information berauben? Lassen wir ihnen doch die Vergangenheit und füllen wir sie mit zusätzlichem Inhalt! Das passiert doch laufend: So kann heute ein reiner Frauenabend (noch!) ohne Unterton als herrlich empfunden werden. Oder wer denkt noch an Hunde, wenn er die Sprache verhunzt?

    Aufsplittung und Sexualisierung durch die Sprache

    Wenn ich an Schlittschuhläufer auf einem See denke, so stelle ich mir Frauen, Männer und Kinder in Winterkleidung vor, die über das Eis gleiten, auf den Popo fallen usw. Wenn künftig von Schlittschuhläufern und Schlittschuhläuferinnen die Rede ist, sehe ich keine Menschengruppe mehr. Die Kinder fehlen. Die Diversen übrigens auch. Ich sehe eine Gruppe von männlichen und eine Gruppe von weiblichen Schlittschuhläufern. Ich muss bei den Frauen stehen und die Männer sind woanders – ja, plötzlich geht es gar nicht mehr um den Winter! Durch das Gendern werden wir plötzlich sexualisiert. Bilder im Kopf werden aufgelöst. Dabei war die männliche Pluralform doch schon längst für uns alle da. Warum trennt man uns plötzlich wieder?

    Kernaussagen gehen verloren

    Durch diese Unterteilung zwischen Mann und Frau gehen auch Kernaussagen verloren. Wenn ich sage: „Es gibt immer mehr Verlierer in unserer Gesellschaft.“, dann rede ich über die Kluft zu den Gewinnern. Wenn es künftig heißt: „Es gibt immer mehr Verliererinnen und Verlierer in unserer Gesellschaft“, geht der Fokus von den Gruppen Verlierer und Gewinner zu den Gruppen Frauen und Männer. Aber um die geht es doch gar nicht! Und wo sind auch hier übrigens die Kinder und auch die Diversen?

    Die Sprache wird schlechter

    In der Ausbildung zur Journalistin habe ich gelernt, dass Sätze verständlicher werden, je genauer man die Handelnden benennt. Wenn der Schulleiter nun von Lehrkräften spricht, denke ich: Ich möchte nicht, dass mein Sohn von einer Kraft unterrichtet wird. Sollten Medien, Bildungseinrichtungen und Online-Wörterbüchern gelingen, dass generische Maskulinformen künftig als politisch unkorrekt gelten, so werden die Menschen dennoch versuchen, die lange Beid-Nennung zu umgehen. Die Folge wird sein, dass Menschen in unserer Sprache immer mehr „neutralisiert“ werden. Wollen wir das wirklich? Eine Welt voller Lehrkräfte, Gartenkräfte, Hilfskräfte, Führungskräfte, Pressepersonen, Gastpersonen, Reitpersonen, Schiffspersonen – und Diverse. Was macht das mit uns?

    Grammatikalisch falsch

    Dass die Verwendung des substantivierten Partizips falsch ist, kommt noch hinzu. Der Laufende ist eben etwas anderes als ein Läufer. So kann ich auf dem Weg zur Kita ab und zu durchaus als Sprintende bezeichnet werden, bin aber mit Sicherheit kein Sprinter.

    Verlust an Historie, Sinnlichkeit und Schönheit

    Nachdem wir mit der Gendersprache also nichts gewonnen haben, verlieren wir am Ende auch noch so viel: Schönheit, Melodien und Historie. Den Zurseefahrenden fehlt im Gegensatz zu den Seefahrern jede Glorie! Dürfen künftig noch Engel über den Träumen unserer Kinder wachen? Wie soll es mit einer Gender-Sprache jemals wieder ein Gedicht geben, in dem Menschen vorkommen? Sollen Romane künftig wie mit Sonderzeichen-Passwörtern durchsetzt aussehen? Schlaflieder und Gedichte vorgetragen mit Genderpausen? Wieso dürfen Menschen ohne jegliches Sprachgefühl so viel Einfluss haben? Das darf nicht Erfolg haben!

    Self-Care: Jeder will angesprochen werden!

    Das häufigste Argument, was mir Gender-Befürworter gegenüber nennen: „Es gibt Menschen, die fühlen sich verletzt, wenn sie sich ausgeschlossen fühlen. Ich möchte jeden ansprechen!“ Abgesehen davon, dass mit der Nennung der Frauen ja die anderen wiederum erst recht ausgeschlossen werden (siehe oben Schlittschuhläufer), ist dieses Argument interessant.

    Warum möchte jeder angesprochen werden? Muss jeder immer persönlich angesprochen werden? Warum denn eigentlich zum Geier? Wollen Frauen sich auch als Betrüger_Innen, Kinderschänder_Innen und Egoist_innen angesprochen fühlen? Reicht es nicht, wenn wir uns angesprochen fühlen, wenn wir angesprochen werden? Aber das, Ladies and Gentlemen, war doch auch schon vor der Gender-Sprache normal, dafür brauchen wir diese Zensur nicht.

    Gender-Sprache fördert auch noch die zunehmende Egozentrik in unserer Gesellschaft, in der sich ja beinahe jeder mittlerweile als ein Opfer sieht, dem besondere Aufmerksamkeit geschenkt gehört. Es lebe die Achtsamkeit für mich selbst!

    Hilfe, die Saat fällt auf einen aufgeweichten Boden!

    In diesem Moment beginnt die eingepflanzte Sprachreform übrigens eine Eigendynamik zu entwickeln. Schwuppdiwupp wird die Gender-Sprache zur Waffe in der Hand von Bürokraten, Self-Care-Extremisten und sonstigen unfreien Geistern. Plötzlich wird der herkömmliche Sprachgebrauch verpönt, schnell ist man Nazi oder frauenfeindlich. Es ist erschreckend, wie antiliberal die Debatte läuft.

    Anzeige

    Wie lange kann es sich ein Politiker noch leisten, nur von Wählern zu reden? Wird ein Verlag in der Zukunft noch ein Buch drucken, dass nicht genderinklusive Sprache verwendet? Vielleicht wird nichtgegenderte Literatur in der Schule lieber vermieden oder neu verlegt mit Gender-Sprache. Huch! Und schon haben wir tatsächlich eine der schönsten Sprachen der Welt zerstört und mit ihr Freiheit und Lebensgefühl. Und die Gendernden traben, die Gleichberechtigungsfahne schwenkend, durch die Straßen. Dazu sage ich: übelste Doppelmoral.

    Was könnte noch kommen?

    Die Entwicklung könnte weitergehen: Was ist eigentlich mit dem Design? Es wäre doch nur konsequent, in jeder Gestaltung Blau- und Rosatöne zu gleichen Anteilen zu verwenden – oder durch ein neutrales Grau zu ersetzen. Zumindest im öffentlichen Raum und bei ARD und ZDF sollte man mit gutem Beispiel vorangehen. Erste Projekte laufen schon an den Unis an: Eine Studentin hat in einer „wissenschaftlichen Arbeit“ das Kartenspiel untersucht: Der König steht hier über der Dame. Das konnte die Studentin erfolgreich ändern. Wie ihr gendersensibles Skatblatt aussieht, können Sie sich denken.


    Welt.de, 22.02.2021, Kommentar-Kolumne, Diplom-Biologin Rieke Hümpel

    Massive Kritik am Lockdown-Kurs
    Mediziner: „Kanzlerin leidet unter Kuba-Syndrom – sie lässt nur noch eine Meinung zu“


    Der Infektiologe Matthias Schrappe hatte es so erwartet: Wieder wurde eine Lockdown-Verlängerung im Kanzleramt beschlossen. Trotzdem würde er sich wünschen, dass die Bundesregierung mehr Mut zum Handeln hätte - und zugleich die Risiko-Gruppen besser schützt.

    Seit dem Frühjahr 2020 argumentiert Matthias Schrappe gegen den Lockdown als einzige Corona-Bremse. Stattdessen fordert der Kölner Medizin-Professor und ehemalige Berater des Bundes in Gesundheitsfragen einen besseren Schutz der besonders gefährdeten alten Menschen – als Kern eines Strategiewechsels der Corona-Politik. Vorschläge dafür haben er und seine Arbeitsgruppe aus Gesundheitsexperten in umfassenden Thesenpapieren formuliert.

    Matthias Schrappe gehört neben bekannten Gesichtern wie den Virologen Jonas Schmidt-Chanasit oder Klaus Stöhr auch einer Gruppe von Wissenschaftlern an, die sich unter der Plattform „CoronaStrategie“ zusammengefunden haben. Sie richten das Augenmerk nicht nur auf die medizinischen, sondern auch auf die gesellschaftlichen Schäden der Pandemie. FOCUS Online hat mit dem streitbaren Experten gesprochen.


    FOCUS Online: Hat Sie das Ergebnis vom letzten Bund-Länder-Treffen im Kanzleramt überrascht?


    Matthias Schrappe: Nein, eine Verlängerung des Lockdown war ja leider zu erwarten. Die Problematik beim Lockdown ist, dass man damit die Zahlen zwar schönen kann. Aber was macht man, wenn man wieder aufhören will? Die Logik dieses Instruments ist, dass man es immer weiter anwenden muss. Denn sonst werden die Zahlen ja wieder schlechter. Ich fürchte daher, es wird zu einer Betonierung dieses inadequaten Instruments „Lockdown“ kommen.


    Sind nicht die angepeilten Inzidenzen von 50 oder auch 35 eine praktikable Basis für Lockerungen?


    Schrappe: Der Begriff Inzidenz ist schon unzulässig und falsch. Die Melderaten, die sehr unzuverlässig sind, werden da einfach hochgerechnet. Wenn sie viel testen, sind die Zahlen hoch, testen sie wenig, sind sie niedrig. Es ist ein Skandal, dass mit diesen Zahlen gesteuert werden soll.

    Sehen Sie, die Sterblichkeit der alten Leute nimmt relativ und absolut weiter zu. Und jetzt werden solche Ziele gesetzt und mit einem Instrument gearbeitet, das dagegen gar nicht hilft. Dabei wette ich, dass, wenn die 50 oder 35 erreicht sind, man sich etwas Neues ausdenken wird. Es ist eine haltlose, hoffnungslose und sinnlose Strategie, die da gefahren wird.


    Sie und Ihre Arbeitsgruppe plädieren massiv für den Schutz der vulnerablen alten Menschen. Wären Kontaktbeschränkungen überflüssig, würde dieser Schutz gelingen?


    Schrappe: Man braucht natürlich beides. Aber die Kontaktverbote alleine, und auch noch an einem fragwürdigen Grenzwert orientiert, einzusetzen, ist nach allen Regeln der Infektionswissenschaft nicht adäquat. Und sie bringen nichts in der Gruppe derer, die besonders oft und schwer an Covid-19 erkranken und sterben. Die vorübergehende Abflachung der Meldezahlen vor Weihnachten war in allen Altersgruppen zu beobachten, nur nicht in den höheren Altersgruppen über 85 Jahre.

    In der 50. Woche lag die Sterblichkeit durch Corona bei den 90-Jährigen bei 16,3, bezogen auf die Alterskohorte. Und jetzt, im langen Lockdown, liegt sie bei 23,3 Prozent. Bei den 80- bis 89-Jährigen war die Sterblichkeit vor dem Lockdown runter auf zwölf Prozent, jetzt ist sie auf 17 Prozent angestiegen. Das heißt: Der Lockdown geht an den Bedürfnissen derer, die dadurch geschützt werden sollen, vorbei.


    Ist dann die Impfung, die ja derzeit noch überwiegend den hochbetagten Menschen vorbehalten ist, die Lösung? Dann wäre diese besonders vulnerable Gruppe doch geschützt.


    Schrappe: Wir können nur hoffen, dass die ersten Ergebnisse, die wir aus Studien haben, stimmen. Aber wie wir jetzt schon gesehen haben, sagen sie nichts über Infektionen aus, sondern nur etwas über Erkrankungen. Der Biontech-Impfstoff vermindert das Risiko einer Erkrankung im Verhältnis 1:20. In der Impfstoffgruppe erkrankten acht Probanden, in der Placebo-Gruppe 162. Beim Astrazeneca-Impfstoff liegt dieses Verhältnis nur bei 1:3. In der Impfstoff-Gruppe erkrankten 27 Menschen, mit Placebo 71. Uns wäre es lieber, die Impfung würde durch ein nicht-medikamentöses Präventionskonzept für die alten Menschen flankiert.


    Und wie sollte das aussehen?


    Schrappe: Für die Alten- und Pflegeheime haben wir schon im April letzten Jahres eine Schnellteststrategie gefordert. Es hat zehn Monate gedauert, bis sich da etwas bewegt hat. Bis dahin waren dort schon 20.000 Menschen gestorben.

    Außerhalb der Pflegeheime ist es natürlich schwieriger. Aber da müssen die Kommunen, die Gesundheitsämter aktiv werden. Sie sollten weniger einzelne Treffen nachverfolgen, sondern rausgehen und schauen, wie es den alten Leuten geht, ob sie gut versorgt sind, irgendwelche Botengänge brauchen, eine Taxifahrt zum Arzt. Da könnte man die Bundeswehr einsetzen oder Studenten.

    Aber dafür bräuchte es eine politische Führung, die unsere Gesellschaft in eine Aufbruchsstimmung, in eine Bereitschaft der Hilfe und Unterstützung versetzen kann. Da genügt es nicht, immer nur zu sagen, wie furchtbar alles ist, weitere Sperrungen zu verfügen und die Innenstädte veröden lassen.

    Aber die politische Führung verbreitet keine Botschaft, die eine Aufbruchsstimmung erzeugen kann. Nur Angst. Und das seit einem Jahr. Die ganze Gesellschaft ist in einem passiven Schockzustand.


    Was halten Sie von Lockerungen nach einem Stufenplan, wie ihn zum Beispiel die Landesregierung von Schleswig-Holstein umsetzen möchte und das auch gern in den anderen Bundesländern sehen würde? Danach soll von Schule, Einzelhandel, Gastronomie, Sportverein bis Kino, Theater und Konzertsaal peu à peu alles aufmachen dürfen, wenn die Inzidenzen entsprechend niedrig sind.


    Schrappe: Nun, so etwas hätte man im vergangenen Sommer anleiern müssen. Aber diese Pläne sind in jedem Fall ein Fortschritt zu dem, was am 10. Februar wieder zu hören war. Man könnte natürlich viel mutiger sein und mehr machen. Uns haben Politiker gesagt: Wir würden ja gern weiter öffnen, aber dann kommt irgendwo in einer Kita ein Fall oder es passiert etwas mit den Mutanten, dann verlieren wir die Wahl. Und was macht die Politik? Sie tappt in die Befürchtungsfalle. Sie befürchtet, dass… – und wagt nichts, experimentiert nicht. Der Erfindungsreichtum der Gesellschaft wird überhaupt nicht genutzt.


    Rechtfertigen denn die neuen, gefährlicheren Mutationen nicht eine verstärkte Vorsicht?


    Schrappe: Die Bedrohlichkeit der Mutationen ist ja nichts weiter als Propaganda. Die Studien geben es nicht her. Man muss das natürlich weiter beobachten. Aber es sieht eher danach aus, dass dort, wo starke Mutationen sind, die Zahlen runter gehen. Viren verändern sich sowieso immer. Und auch die angeblich so ansteckende britische Variante hat sich bisher in der Praxis nicht zu einem großen Problem entwickelt.

    Nur: Wenn man so weiter macht, wird immer wieder ein neues Argument kommen, warum man sich nicht vorwärts bewegen kann, sondern in Angststarre verharrt. Und das ist eine furchtbare Situation, in der sich die Gesellschaft befindet.


    Die Wissenschaftler von „No Covid“ verfolgen einen Ansatz, der dem Ihren diametral entgegen läuft: alles komplett runterfahren, bis der Inzidenzwert unter zehn liegt und Richtung Null geht.


    Schrappe: Da sind Leute federführend, die Infektionen nur im Labor beobachten. Und wie soll das funktionieren mit grünen Landkreisen, in denen man sich wegen niedriger Inzidenz frei bewegen kann, die man auch verlassen darf, und roten Landkreisen daneben, aus denen niemand wegen der höheren Inzidenz raus darf. Müsste man die roten dann abriegeln, militärisch bewachen? Wie soll denn das gehen?


    Könnten schärfere Strafen bei Regelverletzungen den Lockdown verkürzen?


    Schrappe: Mit Verboten und Drohungen erreicht man gar nichts. Dann suchen die Leute nur Schlupflöcher, vor allem wenn sie sehen, dass Maßnahmen eh nichts nützen. Nur mit Überzeugung und vernünftigen Konzepten erreicht man die Leute. Da müssen Führungspersonen auch Fehler zugeben. Wenn Frau Merkel mal sagen würde: Wir haben das bisher nicht besonders hingekriegt. Wir machen mal einen neuen Start und dafür brauchen wir Euch alle – da würde die Stimmung und Bereitschaft mitzumachen, gleich wieder besser werden.


    Können Sie die Kanzlerin nicht in diese Richtung beraten?


    Schrappe: Ich würde die Kanzlerin natürlich gern beraten, wenn sie eine andere Stimme hören wollte. Aber ich rechne nicht damit, dass sie anruft. Frau Merkel hat sich in einen Tunnel vergraben. In der Risikoforschung nennt man das Kuba-Syndrom, wenn sich eine Führungsgruppe nur mit Menschen umgibt, die alle der gleichen Meinung sind. Dann gibt es nur die dauerhafte Fortsetzung von Fehlern.


    Ist das „anders Denken“ der erste Schritt Richtung Lockerungen?


    Schrappe: Für einen Neustart in der Corona-Bekämpfung müsste die Bundesregierung bereit sein, mit Präventionsideen zu experimentieren und vor allem auf diese permanenten Lockdown-Drohungen verzichten, also das bedrückende Bedrohungsszenario aufgegeben für ein proaktives Handlungsszenario.

    Die politische Führung müsste sagen, wir experimentieren jetzt einmal ohne Garantie auf Erfolg. Das könnte zum Beispiel sein, dass in einem Bundesland die Kitas komplett öffnen, man schaut sich das zwei Wochen an und untersucht das Experiment gut – wenn es klappt, machen das alle.

    Dann sollte ein wirklich unabhängiges Beratergremium für die politischen Entscheider gebildet werden. Das sollte nicht, wie derzeit, nur aus denen bestehen, die alles zumachen wollen oder aus Virologen, die nie Infektionen vor Ort sehen. Da kommen Leute aus der Praxis rein, Infektionsmediziner, Krankenhaushygieniker, Gesundheitsamts-Experten. Dieses Gremium soll das gesellschaftliche Experimentieren begleiten, beurteilen und steuern.


    Und wann werden wir Sars-CoV-2 wieder los?


    Schrappe: Nie. Wir werden mit dem Virus leben müssen, mit den Erkrankungen, die es auslöst, und wir werden uns um die Erkrankten kümmern. Kinder werden sich infizieren, eine Teilimmunität erwerben und wenn sie sich als Erwachsene wieder infizieren, kriegen sie Schnupfen. So wird es weitergehen.




    Ich habe letztens ein interessantes Statement gelesen, weiss aber nicht mehr wo.
    Da hat sich ein Profifussballer aus Italien auch darüber Gedanken gemacht, dass es moralisch und ethisch nicht mehr mit einem guten Gewissen erklärbar ist, wenn in den Top-Ligen des europäischen Fußballs Transfersummen von 100, 200 oder mehr Millionen Euro für einen Fußballspieler bezahlt werden, während am anderen Ende der Welt 5jährige in Kobaltminen Sklavenarbeit verrichten und einen qualvollen Tod im Kindesalter verrecken,weil ihre Familien nichts zu fressen haben...... Wir sind im 21. Jahrhundert, da sollte so eine Entwicklung mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln verhindert werden. Ich fand den Denkansatz absolut nachvollziehbar.

    Mein kleiner Fronti hat sich bisschen frei gefühlt.


    Steinigt mich nicht nur weil ich das "driften" auch mit nem Fronti mache.

    Das war an dem einzigen tag an dem Schnee lag seid dem gabs keinen mehr :(

    Deswegen steinigt dich hier doch niemand.

    Du hattest Spaß und es ist nichts passiert.

    Also ist alles okay,

    Wenn die Grünen regieren

    Baerbock und Co wollen nach der Wahl an die Macht. Sechs Thesen, wie sie dahin kommen, was eine grüne Regierung ändern würde – und was nicht.

    Stellen wir uns ein Szenario vor, das bislang als unwahrscheinlich gilt. Annalena Baerbock wird im Dezember 2021 als erste grüne Kanzlerin der Republik vereidigt. Was würde sich ändern? Erst mal weniger, als viele denken.

    Flugzeuge landen weiter im Minu­tentakt in München oder Frankfurt, der Verkehr rauscht über Autobahnen wie eh und je, an der Beliebtheit der SUVs, dieser übermotorisierten Stadtgeländewagen, ändert sich nichts. Die Menschen legen im viel zu heißen Sommer 2022 Nackensteaks aus dem Discounter auf den Holzkohlegrill, als gäbe es kein Morgen. Sie bestellen Sushi aus überfischten Meeren, das in einer absurd überdimensionierten Plastikbox nach Hause geliefert wird. Viel zu viel CO2 entweicht in die Atmosphäre, unsichtbar, aber tödlich, weil es die Erde noch mehr erhitzt.

    Direkt nach Baerbocks Vereidigung nehmen die Grünen ihre Amtsgeschäfte auf. Die Kanzlerin kündigt in einer Rede im Parlament eine ökologische Politik „mit Maß und Mitte“ an. Als erste Amtshandlung lässt sie auf dem Balkon des Kanzleramts Bienenstöcke aufstellen. Ganz vorn in ihrem Sofortprogramm „Gut und grün leben“ steht ein Tempolimit von 130 Stundenkilometern auf Autobahnen. Die meisten Deutschen bekommen von der Reform nichts mit, da auf fast allen Strecken sowieso schon eine Geschwindigkeitsbegrenzung gilt. Selbst der ADAC hat nichts dagegen.

    In der Sozialpolitik bleibt die neue Regierung hinter den Erwartungen der Sozialverbände zurück. Die mitregierende Union, die bei der Wahl knapp hinter den Grünen lag, verhindert eine groß angelegte Hartz-IV-Reform, auch alle Wirtschaftsverbände und wichtige KonzernchefInnen sind dagegen. Statt auf Sanktionen gegen Arbeitslose zu verzichten und eine völlig neue Grundsicherung einzuführen, wie es die Grünen im Wahlkampf verlangten, werden die Regelsätze um 30 Euro erhöht.


    Rufe nach mehr Geld wehrt Finanzminister und Vizekanzler Armin Laschet mit Verweis auf die „angespannte Haushaltslage“ ab. Überhaupt, das Geld fehlt überall, auch weil Grün-Schwarz an der Schuldenbremse festhält. Die Ausgaben während der Pandemie waren immens, die Wirtschaft hat sich noch nicht erholt. Und die Koalition tut sich schwer, dem Staat neue Einnahmen zu verschaffen, weil die Union eine Vermögensteuer und eine Reform des Ehegattensplittings blockiert.

    Grüner Lifestyle ist angesagt. Tüten und Strohhalme aus Plastik werden verboten. Fliegen wird teurer, Bahnfahren günstiger. Der ganze Stolz der neuen Regierung ist die schnelle Erhöhung des CO2-Preises auf 70 Euro pro Tonne Kohlendioxid. WissenschaftlerInnen und Fridays-for-Future-AktivistInnen fordern wegen der Dramatik der Klimakrise einen größeren Aufschlag, werden aber geflissentlich überhört.


    „Ökologische Reformen“, betont Baer­bock, „müssen von der Mehrheit akzeptiert werden.“ Radikal zu sein heiße, realistisch zu bleiben. Die Deutschen fahren so viel Auto wie zuvor.

    So oder so ähnlich sähe es wohl aus, das grüne Deutschland. Was von den üblichen Verdächtigen gerne als angebliche Ökodiktatur diskreditiert wird, wäre in Wirklichkeit eine behutsame Modernisierung. Annalena Baerbock und Robert Habeck sind keine Revolutionäre, auch wenn sie bei seltener werdenden Anlässen wie welche wirken wollen.


    26668625-2.jpeg

    Eine grüne Kanzlerin ist möglich

    So unwahrscheinlich es klingt: Es gibt tatsächlich eine kleine Chance, dass Ende dieses Jahres eine Grüne oder ein Grüner im Kanzleramt sitzt. Die Gründe liegen in den äußeren Umständen, die für alle Parteien völlig neu sind – und in der für ihre GegnerInnen schwer angreifbaren Aufstellung der Grünen.

    Aber von vorn.

    Entscheidend ist, dass wir auf die erste Bundestagswahl seit 1949 zusteuern, bei der die oder der amtierende Bundeskanzler nicht mehr antritt. Dass Merkels Ära endgültig endet, werden viele Menschen erst im Laufe der Zeit realisieren, wenn klar wird, dass jetzt dieser nette, aber unauffällige Herr Laschet die Republik regieren will, von dem man in der Coronakrise nie genau wusste, ob ihm das Wohl der ostwestfälischen Küchenindustrie wichtiger ist oder das der Menschen in Nordrhein-Westfalen.

    Der Amtsbonus, der ein entscheidender Faktor ist, fällt weg. Außerdem wird die von Merz gebeutelte, innerlich zerrissene CDU Zeit brauchen, um sich zu sortieren und ihren Wahlkampf auf den neuen Kandidaten zuzuschneiden.


    Die Grünen akzeptieren die Ambivalenzen des modernen Individuums auf eine fast schon penetrant empathische Weise

    Von alldem profitieren am ehesten die Grünen. Sie sind die politische Kraft, die für die ökoaffine, bürgerliche Mitte attraktiv ist. Die CDU kann sich glücklich schätzen, dass ihr mit Merz ein Chef mit mangelnder Affektkontrolle erspart geblieben ist, aber eine Frage bleibt: Wen wählen Leute, die Merkel gut, die CDU aber altbacken finden? Den Bergmannssohn Laschet? Oder doch Habeck oder Baerbock?

    Man weiß es nicht, und wichtige Landtagswahlen, etwa in Bayern oder Hessen, haben gezeigt, wie stark die Grünen im konservativen Revier zu wildern vermögen. Markus Söder, der seither Bäume umarmt, hat das verstanden.

    Der Effekt für die Zukunft des Landes ist nicht zu unterschätzen, auch wenn die Grünen verlieren. Sie zwingen die träge Union, endlich in einen ernsthaften Wettbewerb um besseren Klimaschutz einzutreten.

    Noch etwas spielt den Grünen in die Karten. Die politische Lage ist so volatil wie schon lange nicht mehr. Die Gunst der WählerInnen ist flüchtig, alles kann sich schnell ändern. Heute liegen CDU und CSU in Umfragen 13 bis 18 Prozentpunkte vor den Grünen.


    Man vergisst es so schnell, aber vor eineinhalb Jahren waren beide beinahe gleichauf, irgendwo in den guten Zwanzigern. Immer mehr Menschen akzeptieren, dass die Klimakrise die große Menschheitsaufgabe im 21. Jahrhundert ist. Für den Wettbewerb um die besten Rezepte dagegen sind die Grünen gut gewappnet, sie sind die Partei, der die BürgerInnen am ehesten engagierten Klimaschutz zutrauen.

    Es ist also möglich, dass die Grünen in Umfragen wieder näher an die Union heranrücken. Und auch ein anderes Szenario mit den Grünen als stärkstem Koalitionspartner ist nicht ausgeschlossen. Führende Parteimitglieder beteuern, dass sie auch ein Mitte-links-Bündnis eingehen würden, wenn die Mehrheit da wäre. Für die Grünen und das Kanzleramt gilt deshalb: Sag niemals nie.

    Grüne Themen zählen mehr denn je

    Es mag zynisch klingen, aber die Grünen sind gerade wegen der drohenden Katastrophe vom Glück geküsst. Das Klima, ihr Herzensanliegen, ist zum alles überwölbenden Thema geworden. Vieles, was früher im Verdacht stand, postmaterialistisch zu sein, ist längst eine harte Währung. Natur- und Klimaschutz sowieso, aber auch Diversität und Teilhabe. Oder die Idee, dass es wieder ein menschliches Maß in der allgegenwärtigen Verwertungslogik geben müsse.

    China, ein wichtiger Absatzmarkt für deutsche Autofirmen, hat große Spritfresser verboten und eine Produktionsquote für Elektroautos eingeführt. VW, Daimler oder BMW müssen stärker auf emissionsfreie Antriebe setzen, wenn sie nicht ins Hintertreffen geraten wollen. Sie tun es längst so schnell und konsequent, dass sich die grüne Beschlusslage, ab 2030 nur noch emissionsfreie Neuwagen zuzulassen, beinahe von allein erfüllt. Ähnlich ist es in anderen Wirtschaftszweigen und bei anderen Themen.

    Die meisten Unternehmen haben verstanden, dass sie grün produzieren müssen, wenn sie eine Zukunft haben wollen. Klimaschutz wird zum ökonomischen Marktvorteil. Umgekehrt suchen die Grünen die Nähe zu den Firmen, nicht die Konfrontation. Sie wollen mit Wasserstoff produzierten Stahl nicht gegen den Willen von Thyssenkrupp durchsetzen, sondern zusammen mit den KonzernchefInnen und Gewerkschaftern.

    Auch um andere Themen, die die Grünen früh exklusiv beackerten, kommt der Mainstream heute nicht mehr herum. Welcher CEO eines DAX-Konzerns würde noch abstreiten, dass Teams besser funktionieren, wenn vielfältige Sichtweisen vertreten sind? Wenn also Frauen dabei sind, BIPOC, Junge und Alte? Wer würde in Abrede stellen, dass man sich stärker um die Vereinbarkeit von Arbeit und Familie kümmern muss? Dass Beschäftigte sich eine flexiblere Zeitpolitik wünschen?

    Anders als CDU und CSU denken die Grünen seit Jahren über solche Fragen nach. Sie haben gegenüber der Union einen intellektuellen Vorsprung. Das ist in einer Zeit, in der die ehemaligen Volksparteien ratlos und überfordert wirken, sehr hilfreich.

    Wichtig ist auch, wie sich die Coronalage bis zum Spätsommer entwickelt. Bei der Bewältigung dieser Krise kommen die Grünen kaum vor. Sie haben keine größeren Einwände gegen Merkels Kurs und verlegen sich – die Regierungsbeteiligung schon im Kopf – auf Applaus und Detailkritik. Je weniger die Pandemie den Wahlkampf dominiert, desto besser für die Grünen.

    Barack Obama ist das Vorbild

    Die Grünen verfolgen im Spannungsverhältnis zwischen physikalischer Realität der Klimakrise und dem politisch Machbaren eine kluge Strategie: Sie versuchen, die Geschichte einer guten Zukunft zu erzählen. Keine, die abschreckt oder verstört, sondern eine, die hoffen lässt – und auf die sich das aufgeklärte Bürgertum von konservativ bis linksliberal einigen kann.

    Mit einer einladenden Sprache setzen Annalena Baerbock und Robert Habeck der allgemeinen Empörungsbereitschaft einen republikanischen Mach-mit-Pragmatismus entgegen. Die Grünen tragen ihre Ideen so geschlossen vor, dass führende CDUler neidisch sind. Und sie adressieren die ganze Gesellschaft, reklamieren also offensiv Hegemoniefähigkeit für sich. Das hat Chuzpe und wirkt manchmal etwas bemüht, aber ohne große Klappe wird man in der Politik nichts. Manchmal funktioniert sie wie eine sich selbst erfüllende Prophezeiung.


    In Robert Habecks 2010 erschienenem Buch „Patriotismus. Ein linkes Plädoyer“ kann man nachlesen, von wem das inspiriert ist. „Obama kombiniert scheinbar Widersprüchliches: Pathos und Unangepasstheit“, schreibt Habeck da, beeindruckt vom Wahlkampf des damaligen US-Präsidenten. „Den Geist der Veränderung nicht zu einer Frontstellung aufzubauen, sondern zu einem Gemeinschaftswerk, das irritiert die Erwartungen, und genau damit schafft er den Schritt aus Griesgrämigkeit und Rückzugsszenarien heraus.“

    Habeck und Baerbock nutzen Pathos in einem für Deutsche gerade noch erträglichen Maß, der eine mehr als die andere. Auch der Gedanke, Widersprüchliches zu vereinen, zieht sich durch. Die Grünen wollen radikal und staatstragend zugleich sein, die demokratischen Institutionen schützen, sie aber auch verändern. Obama verfolgte einen moderaten Mitte-links-Kurs, was ihm von manchen Linken vorgeworfen wurde. Als er 2009 an die Macht kam und die Verwerfungen der Finanzkrise eindämmen musste, ging er große Schritte auf die Republikaner, die vermeintlichen Gegner, zu.

    Sie gehen über die Schmerzgrenze

    Auch die Grünen gehen bei der Kompromissfindung manchmal über die eigene Schmerzgrenze hinaus. Als die CDU-Fraktion in Sachsen-Anhalt im Alleingang eine Gebührenerhöhung für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk verhinderte und damit einen Herzenswunsch der AfD durchsetzte, hätten die Grünen eigentlich aus der Regierung austreten müssen. Sie blieben zähneknirschend, weil sie eine Staatskrise vermeiden wollten. Angesichts der sich zuspitzenden Coronalage habe man eine Verantwortung, hieß es damals in der Bundespartei. Und: Man dürfe die CDU nicht in eine Minderheitsregierung mit der AfD treiben.

    Die Anekdote aus dem kleinen Landesverband steht pars pro toto. Auch Habeck und Baerbock ticken zentristisch, auch sie versuchen, die Gesellschaft zusammenzuhalten. Angesichts dieser Seriösität – und angesichts von elf Regierungsbeteiligungen in Bundesländern – wirkt es unfreiwillig komisch, dass liberalkonservative Vordenker nach wie vor suggerieren, man dürfe den Grünen das Land nicht anvertrauen.

    Die Frage ist: Glaubt die Bio kaufende Merkel-Wählerin, dass die nette Frau Baerbock eine Gefahr für Deutschland ist? Meine These ist: Nein, tut sie nicht. Stattdessen fragt sie sich, aus welcher Realität diejenigen, die das behaupten, zu ihr sprechen.

    In seinem neuen Buch wägt Habeck den Gedanken, wie man Mitte und gleichzeitig vorn sein kann. Gelänge den Grünen das, wäre es etwas grundsätzlich Neues. Ein Charakteristikum der Ära Merkel war ja, dass sie die Dinge gerne laufen ließ. Nur in Krisen rang sie sich zu dringend nötigen Veränderungen durch, siehe Fukushima oder Corona. Baerbock und Habeck sagen, sie wollten proaktiv vor Krisen handeln, statt ihnen hinterherzuhecheln, auch deshalb haben sie den Gedanken der Vorsorge im grünen Grundsatzprogramm so stark gemacht.

    Ob das angesichts des Beharrungsvermögens einer komplexen Gesellschaft gelingt, ist eine offene Frage. Aber falsch ist der Ansatz vor dem Hintergrund gleichzeitig eskalierender Krisen nicht.

    Die Grünen können Ambivalenz

    Entscheidend ist auch ihr versöhnlicher Gestus. Die Grünen von heute sind keine Partei der Besserwisser mehr. Stattdessen akzeptieren sie die Ambivalenzen des modernen Individuums auf eine fast schon penetrant empathische Weise. Nicht nur, dass Robert Habeck und Annalena Baerbock bei jeder Gelegenheit betonen, dass nicht dem Einzelnen die Verantwortung für Klimaschutz aufgebürdet werden darf, sondern dass die Politik einen neuen Rahmen setzen muss.

    Auch habituell machen sie vieles richtig. Der Philosoph Habeck sagt zu seinem Redetalent, er „sabbele halt in Mikros“ rein, und erwähnt beiläufig, Dosenbier zu trinken oder bei Aldi einzukaufen. Die bei Hannover geborene Baerbock trägt im bayerischen Bierzelt mit einer Selbstverständlichkeit Dirndl, als sei sie als Kind über Almwiesen gehüpft. Keine Predigten mehr, keine Zeigefinger, stattdessen Bescheidenheit und eine einfache Botschaft: Alle sind bei uns willkommen.

    Damit kopieren die Grünen ein Konzept, das Konservative lange exklusiv zu haben glaubten. Adenauers Satz, man müsse die Menschen nehmen, wie sie sind, denn andere gebe es nicht, haben die Grünen von heute verinnerlicht. An ihnen perlt das von ihren Gegnern bemühte Uralt-Klischee ab, Grüne seien verklemmte Ökopietisten, die den Deutschen ihren Lebensstil aufdrücken wollen.

    Anders gesagt: Christian Lindner muss sich etwas Neues ausdenken, er weiß es nur noch nicht.

    Grüne Politik wird nicht reichen

    Allerdings haben die Grünen eine offene Flanke. Seit 1972 steht die These im Raum, dass die Menschen nicht immer mehr konsumieren können, ohne den Planeten zu zerstören. Die Studie „Die Grenzen des Wachstums“ des Ökonomen Dennis Meadows wies nach, dass bei fortschreitendem Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum die Weltwirtschaft noch vor dem Jahr 2100 zusammenbricht, weil Rohstoffe und Nahrung knapp werden und die Umwelt verwüstet ist. Bisher liegt Meadows im Großen und Ganzen leider richtig.

    Was tun? Die Grünen beantworten die Wachstumsfrage mit einem optimistischen Narrativ. Sie wollen das Wirtschaftswachstum vom Ressourcenverbrauch und vom CO2-Ausstoß entkoppeln. Grünes Wachstum, nachhaltiges oder qualitatives Wachstum sind die dafür bekannten Schlagworte. Das Narrativ ist verführerisch, weil es im Kern bedeutet, dass die Deutschen in der sich zuspitzenden Klimakrise so weitermachen könnten wie bisher.

    Fleisch essen ist okay, aber von glücklichen Biorindern aus artgerechter Haltung. Autofahren auch, nur eben elektrisch. Fliegen geht ebenfalls, aber klimaneutral, mit synthetisch hergestellten Kraftstoffen. Überschüssiges CO2 holen wir einfach mit einer noch nicht ausgereiften Technik aus der Atmosphäre. Kurz: Technologiesprünge werden die Welt vor dem Klimakollaps retten – und Wohlstand für alle garantieren.

    Das Problem ist nur: Es gibt Zweifel, dass diese Story stimmt. Der weltweite CO2-Ausstoß steigt von Jahr zu Jahr, trotz großer Fortschritte bei ökologischen Technologien. Und für die These, dass sich Wachstum vom Ressourcenverbrauch entkoppeln lässt, fehlt bisher ein Beleg.

    Ob es die Messungen für Rohstoffextraktion, Entwaldung, Verlust von Biodiversität oder Plastikmüll sind: Überall zeigten die Kurven nach oben wie ein Hockeyschläger, schreibt die Ökonomin Maja Göpel in ihrem Buch „Die Welt neu denken“. Sie fordert, das Wachstumsparadigma zu hinterfragen. „Solange die Menschheit an der Vorstellung festhält, dass wirtschaftlich immer mehr produziert werden muss, wird jeder Fortschritt, den sie an der einen Stelle für sich und die Umwelt erreicht, an einer anderen Stelle mehr als zunichtegemacht.“

    Ein Grund ist der in der Politik unterbelichtete Rebound-Effekt. Jener besagt, dass Effizienzsteigerungen durch mehr Konsum konterkariert werden. Wer sich ein spritsparendes Automodell kauft, gönnt sich mit dem gesparten Geld vielleicht eine Flugreise nach Mallorca – oder fährt weitere Strecken.

    Ökologisch orientierte Politik müsste unser westliches Wohlstandsmodell deshalb radikaler hinterfragen, als die Grünen es tun. Ist Fleisch essen, im weltweiten Maßstab gedacht, angesichts der ökologischen und ethischen Probleme überhaupt vertretbar? Können wir munter überallhin fliegen wie bisher? Ist das E-Auto, zwei Tonnen Stahl für einen Menschen, wirklich die Lösung?

    Solche Fragen tippen die Grünen an, stellen sie aber nicht in letzter Konsequenz. Sie fürchten den Liebesentzug der WählerInnen. Unendliches Wachstum wird von WissenschaftlerInnen in Frage gestellt, aber von keiner einzigen Partei in Deutschland.

    Durch ihr Veggieday-Trauma haben die Grünen gelernt, dass es in Deutschland hart bestraft wird, lieb gewonnene Konsumgewohnheiten zu hinterfragen. Sie wissen, dass sie von der Bild, der FAZ oder der Welt als Degrowth-Schrate bezeichnet würden, die sich ein Deutschland voller Waldhütten wünschen. Das Letzte aber, wohin die Grünen wollen, ist die Nische. Aus der haben sie sich ja 40 Jahre lang rausgekämpft.

    Eine bittere Wahrheit lautet deshalb, dass grüne Politik wahrscheinlich nicht ausreicht, um die eskalierenden ökologischen Krisen – es sind ja mehrere – in den Griff zu kriegen. Aber dieses Dilemma nimmt nur eine Fachöffentlichkeit zur Kenntnis oder die wissenschaftlich versierten AktivistInnen von Fridays for Future. Für die Mehrheitsgesellschaft funktioniert das Narrativ des grünen Wachstums perfekt. Klimaschutz, ohne Verzicht zu üben, wer will das nicht.

    Damit wären wir wieder bei unserem Szenario einer grün geführten Regierung. Der unaufgeregte, nüchterne Stil Baerbocks kommt gut an bei den Deutschen. Ihr nächster Bundestagswahlkampf steht unter dem wolkigen, aber in Tests für gut befundenen Motto: „Für ein gutes Morgen“. CDU-Herausforderer Jens Spahn, der den glücklosen Laschet längst an der Parteispitze abgelöst hat, wirke „im Vergleich zu ihr beinahe wie ein Leichtgewicht“, schreibt die FAZ.
    Ende 2025 beginnt die zweite Amtszeit der grünen Kanzlerin.


    https://taz.de/Die-Oekopartei-und-die-Macht/!5743776/

    Unser Herr Spahn denkt auch an den Sputnik Impfstoff :no

    ..........traurig wenn die EU so weit ist.

    Leider zeigt das sehr tiefe Gräben.

    Am Sputnik-Impfstoff zeigt sich der ideologische Hintergrund unserer Politik.
    Kommen die Impfstoffe aus der westlichen Hemisphäre, sind Eilverfahren und Notfall-Zulassungen gar kein Problem.
    Noch immer sterben in Deutschland angeblich bis zu 1000 Leute täglich an Corona. In anderen europäischen Ländern wird es anteilig ähnlich laufen.
    Und dennoch behält man sich den Luxus vor, den russischen Impfstoff erst mal ordentlich zu prüfen. Eine Notzulassung sei nicht geplant und daher kann die Freigabe des Vakzins durch die europäische Zulassungsbehörde noch eine Zeit dauern. Und das obwohl die Russen mit Sputnik V eine ähnlich hohe Wirksamkeit erreichen wie Moderna und Biontech, bei 91%. Zugleich soll der russische Impfstoff etwa nur die Hälfte des Moderna-Vakzins und 60% des Preises von Biontech kosten.

    Das Trottel-Problem
    Unsere Regierung verlangt nach ihrer Ablösung


    Wenn es einen Preis dafür gäbe, rechtzeitig gewarnt zu haben, würde Angela Merkel den gewinnen. Mit ihren Prognosen lag die Kanzlerin immer richtig. Die große Frage ist: Warum hat sie nicht entsprechend reagiert?

    Wir werden von Trotteln regiert. Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal so einen Satz schreiben würde. Mir widerstrebt es, als Kolumnist zu schimpfen oder zu poltern. Empörung überlasse ich lieber anderen. Aber ich fürchte, es ist die einzig zutreffende Beschreibung der Lage.

    Stellen Sie sich vor, Sie hätten einen neuen Anstellungsvertrag geschlossen. Am Ende des ersten Monats ein Blick aufs Konto: Es fehlt das Gehalt. Sie fragen in der Gehaltsbuchhaltung nach. „Sorry“, sagt man, „aber schauen Sie doch mal in Ihren Arbeitsvertrag.“

    Sie schauen nach. Dort heißt es: „Wir werden uns bemühen, Herrn/Frau Ypsilon ein Bruttogehalt von 4300 Euro zu zahlen.“ Das hatten Sie übersehen. Sie rufen wieder in der Gehaltsbuchhaltung an. „Wir haben uns bemüht“, erklärt man Ihnen. „Leider waren wir diesen Monat bei den Gehaltszahlungen nicht so erfolgreich, wie wir uns das vorgenommen hatten. Wir hoffen, dass es nächsten Monat besser aussieht.“

    Entweder immun oder schon tot

    Klingt lustig, aber so lesen sich die Verträge, die sie in Europa mit Astra-Zeneca geschlossen haben. In der EU-Kommission sehen sie das naturgemäß anders. Dort heißt es, es gebe klare Vereinbarungen. Das würde ich auch sagen, wenn ich feststellen müsste, dass ich bei der Vertragsunterzeichnung nicht aufgepasst habe. Bis die Rechtsanwälte die Sache geklärt haben, benötigen wir keinen Impfstoff mehr. Entweder sind wir dann immun oder schon tot.

    Sie halten das Wort „Trottel“ immer noch für zu harsch? Vor vier Wochen kamen sie in Berlin auf die Idee, den Mangel an Impfstoff zu lindern, indem man dem medizinischen Personal erlaubt, aus einer Ampulle des Biontech-Wundermittels nicht fünf, sondern sechs Impfdosen zu ziehen. Im Gesundheitsministerium waren sie begeistert. Auf einen Schlag 20 Prozent mehr Impfstoff. Toll!

    Flugs wurden die Zulassungsrichtlinien geändert - mit dem Ergebnis, dass es nun nicht 20 Prozent mehr Impfungen gibt, wie erhofft, sondern deutlich weniger. Wie das, werden Sie sich fragen. Nun ja, leider hatte man versäumt, vor der Umstellung in den Vertrag zu schauen, den man mit Pfizer geschlossen hat. Dort steht unter dem Punkt Liefermenge „Impfdosen“, nicht „Ampullen“. Also liefert der Konzern entsprechend weniger Gläschen. Pfizer sagt: vertragsgemäß.

    So etwas nennt man ein Eigentor

    Damit wäre man wieder auf dem Stand vor der Zulassungsänderung. Theoretisch. Allerdings braucht es einiges Geschick, um aus einer Ampulle sechs statt fünf Spritzen aufzuziehen, da kommt es auf jeden Tropfen an. Viele Ärzte sind damit überfordert. Außerdem benötigt man spezielle Nadeln, die aber sind knapp. Deshalb verfügt man jetzt mancherorts über bis zu 17 Prozent weniger Impfstoff als noch Anfang Januar. So etwas nennt man ein Eigentor - wenn man freundlich ist.

    Wohin man derzeit schaut: Nichts funktioniert, nichts geht zusammen. Was versprochen wurde, kommt zu spät oder irgendwann oder gar nicht. Die einzige Corona-Kurve, die deutlich nach unten weist, ist die Impfkurve. Das ist leider die falsche.

    Was sagt die Kanzlerin zu all dem? Man habe in schwieriger Lage das Menschenmögliche getan. Ich würde sagen, so hart hat noch niemand über die jetzige Koalition geurteilt. Wenn das, was wir sehen, das Maximum ist, zu dem diese Regierung in der Lage ist, dann sagen sich viele Leute: Langsam wird es wirklich Zeit, dass wir eine neue Regierung bekommen.

    Es sei auch nebensächlich, wie viel Impfstoff man bestellt habe, hat die Kanzlerin erklärt. Ich will nicht ungerecht sein, aber so war es vielleicht in der DDR. Da spielte es keine Rolle, ob man etwas bestellt hatte oder nicht. Es gab einfach nichts. Das sieht im Kapitalismus gemeinhin anders aus. Da gilt: Wer zuerst bestellt hat, wird auch als Erster beliefert.

    Was ist mit Angela Merkel geschehen?

    Was ist mit Angela Merkel geschehen? Mir ist es ein Rätsel. Ich habe sie ein paarmal in Berlin getroffen. Es heißt ja immer, die Kanzlerin verfüge über Witz und eine außergewöhnliche Auffassungsgabe. Ich kann das bestätigen. Ich kenne wenige Politiker, die sich so in eine Materie, die sie interessiert, hineingraben wie Angela Merkel. Keine Information, die ihr entgeht, kein Detail, das ihr zu klein ist.

    Es ist ja auch nicht so, dass die Kanzlerin nicht gewusst hätte, was im Winter auf uns zukommt. Wenn es einen Preis dafür gäbe, rechtzeitig gewarnt zu haben, würde sie den mühelos gewinnen. So steht es auch in jedem Kommentar und jedem Porträt: Angela Merkel habe mit ihren Prognosen in der Krise immer recht behalten.

    Als sie im Herbst erklärte, was exponentielles Wachstum bedeutet, waren die Zeitungen voll des Lobes: Ah, wie gut, dass wir eine Frau mit Verständnis für Mathematik an der Spitze haben und nicht so einen tumben Tor wie Trump. Dummerweise wird man als Regierungschef nicht für seine Prognosefähigkeit gewählt, sondern dafür, dass man entsprechend der Prognosen handelt.

    Kann man zu intelligent sein für das politische Geschäft? Vielleicht. Trump hat schon im Mai damit begonnen, Impfstoff zu sichern, während bei uns erst mal die Optionen gesichtet wurden. Einfach einen Viersternegeneral einsetzen, der dann die ihm übertragene Aufgabe mit militärischer Präzision erledigt? Das riecht viel zu sehr nach toxischer Männlichkeit! Nein, da braucht man einen inklusiven Ansatz, der alle mitnimmt. Der Ansatz ist auch toxisch, wie sich jetzt zeigt, aber er klingt gut.

    Zu wenig Impfstoff? Nur eines der Probleme

    All das erklärt allerdings nicht die seltsame Lethargie im Kanzleramt. Dass wir nicht genug Impfstoff haben, ist ja nur eines der Probleme, die uns quälen. Würde man endlich das Virus aus den Altenheimen heraushalten, wären die Ansteckungszahlen bis zu zwei Dritteln niedriger, wie die „Frankfurter Allgemeine“ am Beispiel Hessens ausgerechnet hat.

    Auch in den Gesundheitsämtern geht seit Monaten nichts voran. Dass die Regierung eine Inzidenz von 50 anstrebt, ist ja nicht medizinisch begründet, sondern technisch. Erst ab 50 Infizierten pro 100.000 Einwohnern seien die Ämter wieder in der Lage zur Nachverfolgung, heißt es. Wären sie besser ausgestattet, kämen wir auch mit 100 oder 200 Infizierten zurecht.

    Sicher, die Kanzlerin ist nicht für den Schutz der Altenheime zuständig, das ist Sache der Ministerpräsidenten. Ihr obliegt auch nicht die Aufsicht über die Gesundheitsämter, die unterstehen dem jeweiligen Landrat oder Bürgermeister. Aber hätte man nicht erwarten dürfen, dass in den langen Sitzungen im Kanzleramt einmal ausführlich darüber gesprochen worden wäre, was sich tun ließe? Oder dass man per Gesetz für die Modernisierung der Ämter sorgt, wenn sich die Landräte querstellen? Kein Wunder, dass einige in den Ministerpräsidentenrunden „Candy Crush“ spielen. Da kommt man wenigstens ein Level weiter.

    Jetzt herrscht große Unruhe auf dem Regierungstanker. Die Kanzlerin erklärt in kleiner Runde, das Ding sei entglitten. Der Gesundheitsminister lädt zum Impfgipfel. Auch das ist eines der Rätsel, das später einmal ein Untersuchungsausschuss zu klären haben wird: Hat sich all die Monate wirklich niemand in der Regierung die Frage gestellt, wie viele Produktionsstandorte für Impfstoff es in Europa gibt und ob sie ausreichen, den Bedarf zu decken?

    Dass wir für den Bau von Flughäfen, für die sie andernorts vier Jahre veranschlagen, 14 Jahre brauchen - geschenkt. Dass sich die Gewehre von Heckler & Koch, die Jahrzehnte als die besten Gewehre der Welt galten, bei Dauerfeuer krümmen, weil der Lauf zu heiß wird - nun ja. Trotzdem hatte ich bis heute ein Grundvertrauen in das deutsche Organisationstalent und die sprichwörtliche deutsche Effizienz.

    Wir sind immerhin das Land, in dem noch im Frühjahr 1944 trotz Bombenhagel Elektrizität und Straßenbahnen funktionierten, weil sie binnen Kurzem alles wieder repariert hatten. Und nun? Nun bekommen wir es nicht mal hin, pünktlich die Daten ans Robert Koch-Institut zu schicken, damit man sich einen Überblick über die Pandemie verschaffen kann. Das analoge Fax ist 2021 das bestimmende Datenübertragungsgerät der Gesundheitsämter in Deutschland. Erfunden in den 70ern. Im Möchte-Gern-Hightech-Deutschland 50 Jahre später ist dieses Gerät das Rückrath der Datenerfassung der Behörden und des RKI. Wichtiger sind für unsere Ministerpräsidenten natürlich Wisch &Touch-Displays kleiner Unterhaltungsmedien, damit die nächste Sitzung genug Kurzweil bietet, während man das Land an die Wand fährt.

    Corona - nicht die einzige Baustelle

    Und wer da denkt, Corona- so eine Herausforderung, so eine Lage gab es bisher noch nie, für keine deutsche Regierung. Das ist eine brenzliche Situation, mit der keine Regierung vor ihr zu tun hatte. Stimmt auch nur bedingt, denn jede Regierung hatte ihre harten Nüsse zu knacken. Schröders Kanzlerschaft war geprägt vom Umbau des Sozialstaates,um den Staatshaushalt nicht in die Pleite laufen zu lassen. Dann waren da noch die Auseinandersetzungen in Konflikten wie dem ehemaligen Jugoslawien oder Afganisthan, Militärische Interventionen unter UN-Mandat und erstmals auch mit deutscher Beteiligung. Naturkatastrophen, wie die erste Elbeflut oder die Oderflut.
    Kohl vor ihm führte das Land Anfang der 80er aus einer tiefen Rezession und einer sich zuspitzenden Situation im kalten Krieg zur wirtschaftlich stärksten und politisch bestimmenden Kraft in einem sich einenden Europa. Er hat sich als Kanzler der Einheit ein Denkmal gesetzt, das angesichts seiner Rolle zu dieser Zeit auch gerechtfertigt ist. Kohl war nicht der richtige Mann zur richtigen Zeit am richtigen Ort - auch er musste es erst werden.
    Schmidt bekämpfte Ende der 70er erfolgreich den internationalen und den innerdeutschen Terror der RAF. Sein Vorgänger und Friedensnobelpreisträger Willi Brandt steht für eine Ära des Tauwetters und der Öffnung nach Osten. Ludwig Erhardt hat die Wirtschaftswunder-Jahre auf seiner Plus-Punkte-Liste..... Es gab also unter jeder Regierung schwierige Momente und Herausforderungen, die es zu meistern galt. In sofern ist Corona auch nur ein Kapitel.

    pcfxu0gw892n8l89e7zooxtqn08akh6x.jpg

    Die ersten Merkeljahre nach ihrem Antritt im Berliner Spreebogen 2007 waren durchaus wertvolle Jahre für das Land. Die Wirtschaft wuchs unter Merkel in einer Weise,

    wie einem zweiten Wirtschaftswunder gleich kommt. Die Produktivität der Unternehmen verdoppelte sich in den Folgejahren fast gegenüber der Kanzlerschaft ihres einstigen Mentors Kohl. Was nicht geklappt hat, war, den Wohlstand gerecht aufzuteilen. Der Aufschwung kommt unter Merkel nicht mehr überall an, viele werden abgehängt, ganze Regionen bleiben unterentwickelt, strukturschwach, sozial schwach. Die Wirtschaft wird zur heiligen Kuh erklärt. Deutschland bekommt 2015 als eines der letzten Länder - und mit großem Widerstand aus dem Merkel-Lager, der fast zum Koalitionsbruch mit der SPD führt - einen Mindestlohn, der eigentlich auch keiner ist. Zu wenig haben die arbeitenden in der Tasche. Zu viele Ausnahmeregeln. Zu viel Rücksichtnahme auf die Interessen diverser mächtiger Lobbyverbände.
    Überhaupt war das Jahr 2015 ein Schicksalsjahr für Deutschland,als Merkel im Alleingang im Sommer entschied, die Tore in einem Akt der Humanität ein Signal an alle
    Flüchtlinge dieser Welt zu senden, das nur mißverstanden werden konnte. Vor allem auch beim eigenen Volk. Mit der ihre berühmt gewordenen Merkel-Raute spaltete sie so nachhaltig das Land, wie es seit dem Mauerfall nicht mehr gespalten war. Der Politik der letzten beiden Merkel-Kabinetts verdanken wir das Erstarken von Bewegungen wie PEGIDA, den Querdenkern, das Entstehen der AfD. In den letzten Jahren durchziehen derart viele Gräben das Land und die Gesellschaft, dass das soziologische Profil des Landes einer Schallplatte gleicht.


    Wie heißt es bei Dante: Lasst, die ihr eintretet, alle Hoffnung fahren !


    Und auch Abseits der Kanzlerin nur noch viel Mittelmaß. Da platzen die Doktorarbeiten zahlreicher hochrangiger deutscher Politiker wie Seifenblasen an einem heissen Sommertag. Das 14-Milliardenschwere Drohnen-Desaster des Verteidigungsministeriums, ein Innenminister, der dem eigenen Volk nicht nur offen mißtraut und es gern unter den von ihm selbst immer wieder als unbedingt zu vermeidenden "Generalverdacht" stellen würde, der diesem Volk aber auch nicht zutraut politische Zusammenhänge zu erfassen, und ihnen daher ehrliche Antworten am besten gleich vorenthält.

    Aber auch in der jüngeren Vergangenheit wird deutlich, wie wenig kompetent deutsche Regierungsarbeit zu bewerten ist.
    Da ist das Maut-Debakel des Andreas Scheuer, dass den Steuerzahler Unsummen kosten wird und dessen Untersuchungsausschuss auf der Stelle tritt. Beinahe wäre die
    Union zwischen CDU und CSU zerrissen, da die bayrische Schwesterpartei mit Merkels neuem Kurs nicht mehr Schritthalten konnte oder wollte.
    Die blamable Installation von Ex-Verteidigungsministerin von der Leyen an der Spitze der EU-Kommission, völlig am Wählermandat vorbei.
    Ein sichtlich überforderter Jens Spahn, der wie ein Fähnchen im Wind, heute den Pharma-Riesen nach dem Mund redet, um dann wieder beim Bürger den Eindruck zu wecken, Verständnis für sie und ihre Belange zu haben. Ein Wirtschaftsminister, der felsenfest in die Kamera sagt, das Corona keinen einzigen Arbeitsplatz kosten wird und ein Finanzminister, der gern die "Bazooka"-rausholt, um die deutschen Unternehmer zu retten, das Ding aber dummer Weise in die falsche Richtung hält und nun mit ausbleibenden Zahlungen und Verzögerungen und einer überbordende Bürokratie einen Flächenbrand bei den Kleinunternehmern wie Gastronomie und Handwerk anrichtet.
    Und dann ist da noch der Außenminister, der einen Langstrecken-Rekordflug der Lufthansa auf die Falklandinseln bei der Argentinischen Regierung anmeldet, und damit eine diplomatische Krise auslöst, da hier seit den frühen 80ern immer noch ein Konflikt zwischen den Gauchos und dem deutschen Bündnispartner England schwelt. Höchst pikiert reagierten die Briten auf diese deutsche diplomatische Meisterleistung, die Argentinien nutze, um die eigenen Ansprüche auf das englische Überseegebiet zu unterstreichen, sei man sich doch der deutschen Anerkennung dieser Ansprüche nun sicher.
    Ebenso peinlich für Maaß dürfte der Verlust des deutschen Sitzes im UN-Sicherheitsrat zum 01. Januar 2021 sein. Russland, China und die USA ( damals noch das Trump-Amerika ) betonten ungewohnt einhellig, dass man die deutschen Belehrungen und das Moralgeschwafel im Sicherheitsrat nicht vermissen werde. Lange hatte Deutschland darauf hingearbeitet wenigstens einen zeitlich befristeten Sitz als Beisitzer in diesem Gremium zu erhalten. Immer wieder hatte man auf die Ausweitung der Position hin zu einem ständigen Sitz angestrebt und unterstrichen. Nun stehen wir wieder bei Null. Alle Arbeit der letzten Jahrzehnte umsonst.
    Und dann als letzter Höhepunkt in der vergangenen Woche, die Ausweisung deutscher Diplomaten aus Russland, da diese sich an verbotenen Anti-Putin-Demonstrationen beteiligten. Ein absolutes No-Go in der internationalen Diplomatie. Man stelle sich mal vor, ein russischer Diplomat würde bei Pegida oder einer Anti-Corona-Demo auftreten.
    Überhaupt wurden nie zuvor in den letzten Jahrzehnten deutsche Botschafter in ihren Gastgeberländern so oft einbestellt, weil deutsche Politik zuviel Anstoß nahm. Die Liste der Vorfälle ist lang und enthält nicht nur die üblichen "Schurkenstaaten". Türkei, Iran, USA, Russland, Brasilien, Schweden, Polen, Ungarn, China, Großbritannien..... von den engsten Nachbarn bis zu den Supermächten sind alle vertreten. Neben den offensichtlichen Baustellen im eigenen Land, brodelt es auch außenpolitisch, wenn die deutschen mitmischen. Sind die deutschen also von allen guten Geistern verlassen ?

    https://www.focus.de

    Hat Ralliart auch andere Marken getuned ?

    Ein beeindruckendes Stiefkind: Dies sind keine Mitsubishi Lancer, sondern Proton Saga,
    also in Malaysia gebaute Lizenznachbauten.
    Mitsubishi war bei der Gründung von Proton federführend und hatte lange große Firmenanteile
    an diesem Hersteller.
    Wahrscheinlich war es das einzige mal, dass Ralliart ein "Fremdfabrikat" zu Rennwagen aufgebaut hat.
    Es gibt auch Fotos mit Ralliart-Schriftzug auf dem Saga.
    Die Protons bekamen zudem Allradantrieb spendiert, den wir ja nur im Lancer Kombi hatten.

    Mit der Lancer-Modellpflege kames auch bei Proton zu einer Fortsetzung der Zusammenarbeit.
    Das neue Modell hieß dann nicht mehr Saga, sondern Wira.
    Und war weiterhin ebenfalls sehr erfolgreich im asiatischen Raum.
    Der Proton Wira fuhr eine Zeit lang sogar in der Rallye Weltmeisterschaft mit und war eine ernst zu nehmende
    Gefahr für die damals dominanten Mitsubishi Lancer Evolution. Er war technisch jeweils nur eine Generation zurück
    und wesentlich billiger. Sogar der mehrfache deutsche Rallyemeister Hermann Gassner und einige skandinavische
    Rallyefahrer stiegen von Lancer Evo um in den Proton.

    1999 wurde die Zusammenarbeit beendet.
    Der Lancer Evo7 erhielt zwarauchnoch mal ein Proton-Gegenstück, wurde jedoch dort nicht weiter entwickelt.


    Bildmaterial von einer externen Facebook-Gruppe