Der Fußball verliert derzeit mehr Fans als die Kirchen !

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    Studie belegt

    Ein Drittel der deutschen Fans wendet sich vom Fußball ab


    Erstmals haben Wissenschaftler die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Fußball untersucht. Das Ergebnis: Ein Drittel der deutschen Fans wendet sich ab, die Kommerzialisierung spielt eine größere Rolle als erwartet.

    Vor einem Jahr stellte Fanforscher Prof. Harald Lange von der Universität Würzburg im MDR die Prognose auf, dass die Fußball-Anhänger "ihre Leidenschaft zurückfahren und sich abwenden werden – und das millionenfach." Jetzt liefert eine Studie erste Belege, dass dies tatsächlich Realität ist : Der deutsche Profi-Fußball verlor in den letzten beiden Jahren mehr Anhänger als beide christlichen Kirchen zusammen.

    Durchgeführt hat sie ein Netzwerk von acht Wissenschaftlern unter Beteiligung der Fachhochschule Dortmund und Universität Würzburg. Dabei wurden 4190 Fußball-Anhänger über die Voting-App FanQ befragt, deren Gründer im mitteldeutschen Raum verwurzelt sind. Kilian Weber, von 2013 bis 2014 Referent der Geschäftsführung von Dynamo Dresden und seither in der sächsischen Landeshauptstadt wohnhaft, und Dr. Joachim Lammert, zuvor an den Universitäten Leipzig und Chemnitz tätig, schafften mit der Umfrage-Plattform die Basis, dass innerhalb einer Woche Ende Oktober 2021 repräsentative Daten erhoben werden konnten. Der MDR hat die Studie unter die Lupe
    genommen, analysiert die Resultate und lässt einschätzen, was sie für die Zukunft des Fußballs bedeuten.

    So wurde das gesunkene Fan-Interesse nachgewiesen

    "Unsere Stichprobe umfasst alle Geschlechter, Altersgruppen und hat auch die Verteilung auf verschiedene Fußballklubs beachtet, daher ist sie für Deutschland gesamt repräsentativ", erklärt Weber. Dazu wurden alle unterschiedlichen Fantypen einbezogen: solche mit und ohne Mitgliedschaft in Vereinen, mit Steh-, Sitz- oder gar VIP-Plätzen im Stadion und auch Gruppen, die Fußball eher oder meist im TV verfolgen. So ergibt sich ein Durchschnitt aller Fußball-Interessierten in Deutschland. Umso erstaunlicher ist das Ergebnis. Unter ihnen gaben 33,1 Prozent an, dass sie seit Ausbruch der Corona-Pandemie weniger Interesse am Fußball haben. 33,9 Prozent sagen das auch hinsichtlich eines Stadionbesuchs. Allerdings muss zwischen beiden Phänomenen deutlich unterschieden werden.

    Rund ein Drittel der Fußball-Fans kritisch gegenüber Corona-Maßnahmen

    Denn dass sie nicht mehr ins Stadion kommen, begründen gerade mal 6,1 Prozent mit dem geringeren Interesse am Fußball. Stattdessen landen hierfür ausschließlich die pandemiebedingten Begleitumstände unter den fünf meistgenannten Gründen. So stören sich 43 Prozent an den Corona-Schutzmaßnahmen allgemein, 41,8 Prozent lehnen den Zugang übers 2G-Modell, 29,3 Prozent das 3G-Modell ab, 28,2 Prozent haben Sorge vor einer Infektion und 19,9 Prozent sind gegen personalisierte Tickets. Als Zwischenfazit daraus ist hervorzuheben, dass etwa ein Drittel der Anhänger den staatlichen Anti-Corona-Vorgaben kritisch gegenüberstehen. Im Umkehrschluss heißt das aber für den Fußball: Die Prognose, dass die Zuschauer in die Stadien zurückkehren ist weitgehend positiv, nur 7,3 Prozent beantworten die Frage für sich mit "nein". Lediglich 17,8 Prozent glauben nicht, dass die Bundesliga langfristig wieder auf volle Tribünen hoffen kann.

    "Corona ist ein Katalysator für die Kommerz-Debatte"

    Geht es aber nicht um den Stadionbesuch, sondern ums Interesse am Fußball – so sieht das ganz anders aus. Hier geben 62,5 Prozent wohl Corona als Grund an, allerdings betonen auch 52,7 Prozent, dass die Kommerzialisierung des Fußball-Geschäfts eine Ursache dafür ist. "Wir haben erwartet, dass eine emotionale Entfremdung da ist. Aber dass die Kommerzialisierung fast die gleiche Bedeutung wie die Pandemie einnimmt, ist erstaunlich", erklärt FanQ-Geschäftsführer Weber: "Wir sehen, dass Corona ein Stück weit als Katalysator für die Kommerz-Debatte gedient hat."

    Fußball-Fan aus Dresden: "Ich fühle mich nicht mehr als Teil des Ganzen!"

    Offensichtlich haben die Fans unter den Geisterspielen umso mehr gespürt, dass der Rubel im Fußball-Business auch ohne sie einfach so weiterrollen kann. Ein prägnantes Beispiel: David Alaba steigerte laut Spiegel, dem seine Vertragsunterlagen nach seinem Wechsel von Bayern München zu Real Madrid vorliegen, sein Jahresgehalt trotz Corona-Krise von 15 auf 20 Mio. Euro – und das während zahlreiche andere Arbeitnehmer - darunter eben auch Fans - bei Niedriglöhnen in Kurzarbeit geschickt wurden. So meint Fußball-Anhänger Malte Mücke aus Dresden im Gespräch mit dem MDR: "Ich fühle mich als Fan nicht mehr als Teil des Ganzen, nicht beachtet oder mitgenommen." Der 28-Jährige stammt aus Essen, ging oft auch zum VfL Bochum und nach Dortmund ins Stadion, fieberte vor allem mit der Borussia und lebt nun seit sieben Jahren in Sachsen. "Fußball lag mir immer am Herzen, aber es macht keinen Spaß mehr. Das Geld steht überall an erster Stelle, es ist eine Überkommerzialisierung im Fußball", erzählt er. Mit seinen Ansichten ist Mücke nur einer von vielen, denen es so geht. In der Studie bezeichnen 4,6 Prozent der Befragten die Wirtschaftspraxis der Branche als in Ordnung, während 74,4 Prozent die Kommerzialisierung als überzogen einstufen. Dabei wählten 48,9 Prozent sogar die extremste Antwortform "völlig überzogen" aus.

    Fanforscher Prof. Lange: "Es ist Sprengstoff im System"

    Professor Harald Lange erläutert im Gespräch mit dem MDR: "Die Distanz zwischen den Fußball-Lenkern und den Fans wächst. Die Argumentationslinien werden so scharf wie noch nie vorgetragen." Als Beispiel dafür sieht er den offen entbrannten Streit bei der Jahreshauptversammlung des FC Bayern. Dort hatten Mitglieder wegen der möglichen Sponsoring-Verlängerung mit QatarAirways einen Antrag gestellt, dass der Klub sich demnächst offiziell zur Einhaltung von Menschenrechten bekennen muss. Die Münchner Vereinsführung lehnte das ab – und stimmte auch noch geschlossen dagegen, obwohl hinlänglich bekannt ist, dass im Wüstenstaat Katar einiges in der Hinsicht zu tun wäre. Dennoch setzten sich die Mitglieder mit ihrer Mehrheit gegen die eigene Klubspitze durch. Lange sagt dazu: "Die Mitgliederversammlung bei den Bayern hat die Kommunikationsprobleme zwischen Management und Fan-Basis in einer Schärfe ans Licht gebracht, wie ich es selten erlebt habe. Die Klubverantwortlichen denken wie ein Wirtschaftsunternehmen, die Anhänger sehen den Verein mit seiner Geschichte und seinen Werten. Das ist ein Konflikt, wo sich die Lage wirklich zugespitzt hat, es ist richtig Sprengstoff im System." Bemerkenswert: Das steinreiche Emirat Katar ist immer wieder Streitpunkt. Der Dresdner Fan Malte Mücke bringt das Thema selbst in die Debatte ein: "Die WM 2022 in Katar, wo Menschenrechtsverletzungen aller krassester Ordnung herrschen, werde ich mir nicht anschauen. Das habe ich meinen Kumpels schon gesagt. Die Grenze ist erreicht."

    Forderungen nach neuen Konzepten

    Lassen sich die Positionen zwischen der für viele abgehoben wirkenden Profi-Elite und den Anhängern noch versöhnen? FanQ-Geschäftsführer Weber schätzt: "Die große Herausforderung für Klubs, Verbände und deren Verantwortliche besteht darin, im Weg aus der Corona-Krise die Fans wieder mitzunehmen. Das muss durch neue Lösungen passieren. Wenn sich der Trend einmal verstetigt hat, wird es immer schwieriger, sie zurückzugewinnen." Laut Lange dürfte es allerdings einen langen Atem brauchen. Er ist überzeugt: "Um das Feld zu befrieden, braucht es komplexere Gesprächsformate, einen langfristigen Prozess mit vielen kleinen Schritten. Schnell geht es nicht mehr. Es wird anstrengend, aber ist noch möglich." Doch was erwarten die Fans eigentlich an konkreten Maßnahmen? Mücke nennt zum Beispiel Folgendes: "Die 50+1-Regel muss erhalten bleiben, die Spieler dürfen nicht immer teurer werden. Es braucht also eine Beschränkung der exorbitanten Transfersummen und die Personalbudgets dürfen einen bestimmten Rahmen nicht mehr sprengen." Für Anhänger wie ihn spielt die internationale Wettbewerbsfähigkeit kein besonderes Argument, stattdessen fordert er: "Wir dürfen uns nicht an der Premier League orientieren. Die Bundesliga soll sich als Maßstab nehmen, die besonders nachhaltige Liga zu werden. Wir können also auch sagen, wir fahren bewusst ein anderes Konzept, fördern den Nachwuchssport und beachten gesellschaftliche Entwicklungen."

    Anschlussstudie zur Kommerzialisierung geplant

    Mit diesen Ideen ist er relativ nah an dem, was Wissenschaftler wie Professor Lange dem deutschen Profi-Fußball raten: "Spitzenfußball wird nicht ohne Kommerz gehen, da darf man sich nicht zu sehr den Traditions-Romantikern unterwerfen. Aber wir müssen den Fußball mit einem konstruktiven Diskurs neu erfinden. Wir brauchen eine Debatte über eine Ethik des Kommerzes im Fußball und darüber gilt es am Ende ein neues Modell zu entwickeln." Grundlage dafür könne laut dem Fanforscher sein, dass man zunächst genauer untersuche, welche Aspekte der Kommerzialisierung die Anhänger besonders bewegen. Dies wolle er in einer Anschlussstudie mit FanQ herausfinden. Deren zweiter Geschäftsführer Dr. Joachim Lammert sieht jedenfalls eine Hauptproblematik für das Fußball-System: "Es ist immer unvorteilhaft für die Entwicklung eines Wirtschaftsmarktes, wenn die Einflüsse darauf so ungleich verteilt sind. Einerseits haben wenige Personen im Fußball extreme Macht, die vielen Fans dagegen sehr wenig Mitsprachemöglichkeiten. Wir haben uns deshalb vorgenommen, ihnen mit unserer Plattform eine Stimme zu geben und Fanmeinungen transparent zu machen."

    Werden die unteren Ligen attraktiver?

    Der Dresdner Mücke gibt jedenfalls zu: "Es wird schwer, mich wieder zu überzeugen. Ich sehe mich in Zukunft vielleicht eher in unteren Ligen im Stadion, bei Vereinen wie Rot-Weiß Essen oder Lok Leipzig, wo einfach ehrlicher und direkter mit dem Fan gesprochen wird. Auch bei Dynamo Dresden fühle ich mich eher zuhause. Da gibt es noch eine gute Kommunikation zwischen Klub und den Fans."

    MDR-Fernsehen






    Nasenhaare ausreißen ist der tägliche SM des kleinen Mannes

  • Ich habe bis vor 10 Jahren alles aufgesaugt, was mit Fußball zu tun hatte. Mittlerweile ödet es mich nur noch an. Man braucht zig Abo‘s, die Preise explodieren, es werden neue Wettbewerbe generiert und am Ende wird größtenteils nur Alibigekicke gezeigt. Es gibt auch keine Typen mehr, die ihren Mund aufmachen, alles muss korrekt ablaufen, keiner tanzt mehr aus der Reihe. Ich habe nur Angst, dass Darts mit wachsender Zuschauerzahl ebenso gemolken wird.

    Es gibt Besserwisser, die niemals begreifen, daß man Recht haben und doch ein Idiot sein kann ;) :omg

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