Merkwürdige grüne Pfeiler an der Straße

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    PILOTPROJEKT
    Grün ist die Hoffnung an der B2 bei Wittenberg

    An der Bundesstraße 2 nördlich von Wittenberg testet das Land eine Wildwarnanlage. Warum dies bereits der zweite Versuch ist.
    Im Polizeireport sind sie der Dauerbrenner: Wildunfälle. Reh tot, Pkw beschädigt, lautet meist die Bilanz. Für den Menschen verlaufen die Begegnungen in der Regel glimpflich, doch verlassen sollte man sich darauf lieber nicht. Um das Wild davon abzuhalten, dem Verkehr ins Gehege zu kommen, ist schon vielerlei ausprobiert worden.

    Optisch und akustisch

    Auch in Sachsen-Anhalt: Im Oktober 2018 hat das Land an der Bundesstraße 184 bei Tornau - nicht zu verwechseln mit dem hiesigen Tornau - ein „Pilotprojekt zur Vermeidung von Wildunfällen“ gestartet, die den Angaben aus dem Landesverkehrsministerium zufolge in der Unfallstatistik die Hauptursache bilden: Im Dessau-Roßlauer Ortsteil Tornau und in der Folge auch an drei weiteren Stellen, wo es zuvor vermehrt zu Zusammenstößen zwischen Pkw und Wild gekommen war, wurden probeweise Wildwarnanlagen aufgestellt. Mittels optisch-akustischer Signale sollen sie das Wild am Straßenrand verharren lassen, bis die Straße wieder frei ist. Grün fürs Reh, gewissermaßen.

    Dass im zuvor am Modellversuch nicht beteiligten Wittenberger Kreisgebiet vor einiger Zeit grüne Pfosten aufgetaucht sind, hat ebenfalls mit dem unerwünschten Wildwechsel zu tun: Im Dezember 2020 wurden an der Bundesstraße 2 südlich der Wittenberger Ortschaft Kropstädt hinter den üblichen weiß-schwarzen Leitpfosten Dutzende solcher mit Elektronik versehener Plastikpfähle aufgestellt und der Streckenabschnitt damit nun ebenfalls zur „Teststrecke“ im landesweiten Experiment, wie das Landesverkehrsministerium auf MZ-Anfrage berichtete, nachdem sich sicher schon zahllose Autofahrer über die grüne Garnitur am Straßenrand gewundert hatten.

    Dabei unterscheiden sich die Wittenberg-Kropstädter Pfosten nicht nur in der Farbe von ihren zuvor andernorts aufgestellten Vorgängern - sie stehen auch für ein teilweises Scheitern des im Oktober 2018 in Dessau-Tornau begonnenen Versuchs: „Nach zwei Jahren des dreijährigen Pilotprojekts“, stellte das Ministerium nämlich im Sommer 2020 fest, „ist die Zwischenbilanz etwas ernüchternd.

    Die solarbetriebenen Wildwarngeräte haben im Dauerbetrieb Schwierigkeiten mit der Energieversorgung“. Dies hatte insbesondere auch zur Folge, dass laut Ministerium die Zahl der Verkehrsunfälle mit Wild an den zunächst vier Versuchsstrecken nicht überall zurückging, ganz im Gegenteil: Just im Premieren-Abschnitt bei Dessau-Tornau sei die Zahl der Wildunfälle seither sogar leicht gestiegen.

    Es folgte also ein Modellwechsel für eine neue fünfte Teststrecke, den man sich zwischen Abzweig Jahmo und Kropstädt im Vorbeifahren ansehen kann - wobei man freilich immer auch einen Blick auf eventuelles Wild haben sollte. „Wie wirkungsvoll die Geräte sind, kann nach der bisher kurzen Testdauer nicht belastbar belegt werden“, erklärte ein Ministeriumssprecher. „Ein erster Eindruck besagt aber, dass sie sehr stabil arbeiten.“

    Beigefügt ist eine Gerätebeschreibung des Herstellers, der unter anderem damit wirbt, dass sich dank des Einsatzes von „Wiwasol“ - ein Mikroprozessor ortet herannahendes Licht („Fahrzeug mit eingeschaltetem Abblendlicht“) und sendet daraufhin als Warnung ans Wild optische und akustische Signale aus - die Zahl der Wildunfälle um bis zu 90 Prozent senken ließe. Womöglich dann ja auch im Raum Kropstädt.

    Land als Vorreiter

    Das Pilotprojekt läuft bis Oktober 2021. Das Verkehrsministerium von Sachsen-Anhalt sieht sich mit den entsprechend ausgerüsteten Teststrecken bundesweit als Vorreiter und hat mehrfach versichert, im Kampf gegen Wildunfälle nicht nachlassen zu wollen. Verwiesen wird allerdings auf die „ständige Weiterentwicklung der eingesetzten Wildwarntechnik“ und darauf, dass, wie es Minister Thomas Webel (CDU) mal formulierte, „Pilotprojekte dazu da (sind), etwas auszuprobieren“.

    Es ist also auch an der B 2 noch nicht aller Tage Abend auf der Suche nach modernen Alternativen zu längst gescheiterten Mitteln wie CD-Blinkern, Duftzäunen oder Reflektoren.

    Mitteldeutsche Zeitung (mz/Irina Steinmann)