Kommen jetzt die goldenen 2020er ?

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    Wirtschaftsausblick

    Die Goldenen 2020er

    Wagen wir einen positiven Blick in die Zukunft: Nach der Coronakrise blüht uns ein rascher Aufschwung. Mehr noch – ein Jahrzehnt des Fortschritts könnte anbrechen. Wir müssen nur ein paar Fehler vermeiden.
    Als die letzte große Pandemie über die Welt hereingebrochen war, folgten Jahre der Euphorie. Nach der Spanischen Grippe kamen die Roaring Twenties. Die 1920er-Jahre waren ein Jahrzehnt des Aufbruchs, gesellschaftlich, kulturell, wirtschaftlich. Nach den Verheerungen des Ersten Weltkriegs und der sich anschließenden tödlichen Seuche stand der Zeitgeist in vielen Ländern auf Aufbruch. Es war ein langer Aufschwung, der nach und nach viele Volkswirtschaften erfasste. In Deutschland ist die Erinnerung an diese Phase überschattet von der blutigen Anfangsphase der Weimarer Republik und der Hyperinflation von 1923. Aber auch hierzulande setzten irgendwann die Goldenen Zwanziger ein.

    Am Ende eines desaströsen Corona-Jahres stellt sich die Frage: Können wir jetzt mit Goldenen 2020ern rechnen? Steht eine überraschend schnelle Erholung der Wirtschaft bevor? Und wie nachhaltig könnte sie sein

    Die Post-Corona-Perspektive

    Praktisch alle Prognosen sagen derzeit vorher, dass sich die Konjunktur 2021 deutlich erholen wird. Schon im dritten Quartal des abgelaufenen Jahres schnellten die Wachstumsraten sprunghaft in die Höhe, um dann von erneuten Shutdowns ausgebremst zu werden. Der Beginn der Impfungen lässt nun allmählich die Perspektive der Nach-Corona-Zeit aufscheinen. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) beispielsweise sagt für Deutschland ein Wirtschaftswachstum von 3,1 Prozent im Jahr 2021 und von 4,5 Prozent 2022 voraus. Gegen Ende kommenden Jahres wird den Berechnungen zufolge wieder das Vorkrisenniveau erreicht. Danach geht es flott weiter aufwärts – bei sinkender Arbeitslosigkeit, niedriger Inflation und allmählich gesundenden Staatsfinanzen. Anderen Ländern steht eine längere Durststrecke bevor. Insbesondere in stark Corona-geschädigten Euro-Südstaaten wie Italien und Spanien wird es noch einige Zeit dauern, bis sie die Wirtschaftsleistung des Jahres 2019 erneut erreichen. Aber auch sie sollten erfasst werden von einer kräftigen Dynamik nach der schwersten Wirtschaftskrise seit Generationen. Die Börsen jedenfalls haben dieses Szenario fest im Blick, wie die hohen Bewertungen an den Aktienmärkten zeigen

    Unsicherheit und Gelegenheit

    Es sind vor allem drei Faktoren, die für einen raschen Nach-Corona-Aufschwung sprechen:

    Weniger Unsicherheit: Die Pandemie und die einschneidenden Beschränkungen, die damit einhergingen, haben Bürger und Unternehmen massiv verunsichert. Wenn der Blick in die Zukunft sich verdunkelt, reagieren Menschen, indem sie sich einigeln: Sie geben weniger Geld aus. Verbraucher sparen, statt zu konsumieren; Unternehmen streichen Investitionspläne zusammen. Sie bilden aus Vorsicht Cash-Reserven. Wer weiß, was kommt.
    Der allmähliche Rückgang der Unsicherheit dürfte nun den gegenteiligen Effekt auslösen: Die Verbraucher werden wieder deutlich mehr konsumieren. Die Unternehmensinvestitionen waren schon in der zweiten Jahreshälfte 2020 dabei, sich zu erholen. Es hilft, dass auch politische Unsicherheitsfaktoren abgeräumt sind: Der Handelskrieger Donald Trump verlässt das Weiße Haus; sein Nachfolger Joe Biden lässt immerhin auf eine handelspolitische Entspannung hoffen, zumal gegenüber Europa. Der Brexit kommt nun doch nicht in der harten Variante; nach dem weihnachtlichen Last-Minute-Deal über ein Abkommen zwischen Großbritannien und der EU bleiben die Schlagbäume zumindest ein Stück weit oben.

    • Mehr Freiraum: Die Rezession des Jahres 2020 war auch deshalb so harsch, weil ein großer Teil der Konsumausgaben schlicht untersagt war. Nicht nur Gastronomie, Unterhaltung, Kultur und Sport waren davon betroffen, sondern auch der Tourismus, was insbesondere in den südeuropäischen Urlaubsländern negativ zu Buche schlug. Wenn 2021 im Jahresverlauf die Einschränkungen allmählich aufgehoben werden, wird das unmittelbar die Konsumnachfrage beleben. Denkbar, dass viele Bürger das Ende der Pandemie regelrecht feiern werden – und mehr ausgeben als sonst.
    • Mehr staatliche Stützung: Die westlichen Staaten haben versucht, ihre Volkswirtschaften mit Programmen in beispiellosen Größenordnungen vor dem Kollaps zu retten. Und sie werden diese Hilfen nur ganz allmählich zurückfahren. Auch 2021 werden die kreditfinanzierten Budgets nur langsam zurückgeführt. In den USA macht sich der künftige Präsident Biden sogar daran, mit massiven zusätzlichen Ausgaben sozial- und umweltpolitische Ziele zu erreichen, sofern der Kongress mitspielt. Auch in der EU greifen die zusätzlichen Haushaltsspielräume, die der Corona-Wiederaufbaufonds eröffnet hat, erst mit Zeitverzögerung in den kommenden Jahren. Auf Sicht wird daher auch die Finanzpolitik stimulierend wirken.

    Die konjunkturpolitisch wohl wichtigste Verhaltensänderung der Bürger war eine radikale Änderung des Sparverhaltens. Als Reaktion auf die Unwägbarkeiten der Coronakrise haben sich in der Eurozone und in den USA 2020 die Sparquoten mehr als verdoppelt, in Großbritannien, in Kanada gar verfünffacht, so die OECD: In Deutschland ist der Anstieg weniger stark, aber auch hier legen Privatleute nun im Schnitt 16,6 Prozent von ihren verfügbaren Einkommen zurück, fünf Prozentpunkte mehr als 2019.

    Die große Frage lautet, wie nachhaltig diese Verhaltensänderungen sein werden. Davon hängt viel ab für die weitere wirtschaftliche Entwicklung. Bleiben die Bürger vorsichtig, könnte das die ökonomische Schwächephase um Jahre verlängern – und umso freigiebigere staatliche Stützungsmaßnahmen provozieren. Geben sie nach dem Ende der Pandemie ihre Zurückhaltung auf und genehmigen sich womöglich zusätzlich aufgestaute Konsumwünsche, ist sogar eine wirtschaftliche Überhitzung möglich. Entscheidend ist deshalb, was ab dem kommenden Sommer geschieht. Sollten Sonne und Impfstoffe für eine baldige Normalisierung sorgen, könnte der Corona-Schock relativ bald in Vergessenheit geraten – und die Kauflust zurückkehren. Die Konsumnachfrage der Bürger könnte dann zum wichtigen Verstärker der wirtschaftlichen Erholung werden. Relevant könnte auch der Ausgang der deutschen Bundestagswahl im September werden: Sollten dabei unklare Mehrheiten und eine lange Hängepartie herauskommen, würde dies die Unsicherheit abermals steigen lassen – nicht nur in Deutschland, sondern womöglich in ganz Europa.

    Die Basiserfahrung des Jahres 2020

    Für die mittel- bis langfristige Entwicklung wird die Produktivitätsentwicklung von entscheidender Bedeutung sein. In den 2010er-Jahren gab es einen einzigen wichtigen Wachstumstreiber: Arbeit. Die Erwerbsbeteiligung der Einheimischen stieg, während mehr und mehr Arbeitskräfte aus dem übrigen Europa zuwanderten. Die Wirtschaft produzierte mehr, weil mehr Arbeit eingesetzt wurde. Dieses Modell stößt nun an seine Grenzen. Die Alterung der Gesellschaft lässt die Erwerbsbevölkerung schrumpfen; parallel dazu geht die Zuwanderung zurück. Ob die 2020er ein goldenes oder ein trübes Jahrzehnt werden, hängt deshalb vor allem davon ab, ob es gelingt, die Produktivität zu steigern. Das heißt: Wir müssen aus den vorhandenen Ressourcen mehr machen – ökonomisch, aber auch ökologisch. Die Bedingungen dafür sind besser als befürchtet. Die hohe Ersparnisbildung der Privatbürger sorgt für ein überschwappendes Kapitalangebot – das nur auf attraktive Investitionsmöglichkeiten wartet. Bei der Finanzierung neuer Technologien sollte es keinen Engpass geben.

    Die große Frage lautet, wie nachhaltig diese Verhaltensänderungen sein werden. Davon hängt viel ab für die weitere wirtschaftliche Entwicklung. Bleiben die Bürger vorsichtig, könnte das die ökonomische Schwächephase um Jahre verlängern – und umso freigiebigere staatliche Stützungsmaßnahmen provozieren. Geben sie nach dem Ende der Pandemie ihre Zurückhaltung auf und genehmigen sich womöglich zusätzlich aufgestaute Konsumwünsche, ist sogar eine wirtschaftliche Überhitzung möglich.

    Entscheidend ist deshalb, was ab dem kommenden Sommer geschieht. Sollten Sonne und Impfstoffe für eine baldige Normalisierung sorgen, könnte der Corona-Schock relativ bald in Vergessenheit geraten – und die Kauflust zurückkehren. Die Konsumnachfrage der Bürger könnte dann zum wichtigen Verstärker der wirtschaftlichen Erholung werden.

    Relevant könnte auch der Ausgang der deutschen Bundestagswahl im September werden: Sollten dabei unklare Mehrheiten und eine lange Hängepartie herauskommen, würde dies die Unsicherheit abermals steigen lassen – nicht nur in Deutschland, sondern womöglich in ganz Europa.

    Spiegel, 27.12.2020

  • Die goldenen 2020er? Wenn ich mich in meinem Umfeld so umhöre, dann glauben die Leute vielmehr daran, dass unser System vollends kollabiert. Immer dieses dämliche Geschwafel vom stetigen Wachstum...

    Ob die 2020er ein goldenes oder ein trübes Jahrzehnt werden, hängt deshalb vor allem davon ab, ob es gelingt, die Produktivität zu steigern. Das heißt: Wir müssen aus den vorhandenen Ressourcen mehr machen – ökonomisch, aber auch ökologisch.

    -->Klingt für mich eher nach mehr Ausbeutung