Grüner Wasserstoff - Treibstoff der Energiewende ?

  • ZWEI VERSUCHSREGIONEN IN MITTELDEUTSCHLAND
    Energiewende mit "grünem" Wasserstoff?


    Sonne und Wind sind nicht permanent verfügbar, Batterieautos sind umstritten. Deshalb wird in Deutschland weiter an der Brennstoffzelle mit Wasserstoff geforscht. Es gibt neun Modellregionen, darunter zwei in Sachsen und Thüringen.



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    Die Bundesregierung setzt bei der Energie- und Verkehrswende auch auf Wasserstoff als CO2-neutralen Energieträger. In neun "Wasserstoffregionen" soll die Wasserstofftechnologie erforscht und erprobt werden, darunter die Lausitz und das Weimarer Land.
    Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer stellte Mitte September die Sieger des bundesweiten Ausschreibungswettbewerbs vor:
    Kiel und Region, Rügen-Stralsund, Landkreis Schaumburg, Lausitz, Weimar und Weimarer Land, Landkreis Marburg-Biedenkopf, Neustadt an der Waldnaab, Reutlingen, Ostallgäu/Fuchstal/Kaufbeuren.


    Bundes-Forschungsministerin Karliczek: "Zentraler Energieträger der Zukunft"


    Bundesforschungsministerin Anja Karliczek sieht Wasserstoff als "zentralen Energieträger der Zukunft". Sie will beim Treffen des Klimakabinetts am 20. September Wasserstoff zum Schwerpunktthema machen. Um die Klimaziele bis 2030 zu erreichen, muss Karliczek zufolge "grüner Wasserstoff" in alle Lebensbereiche wie Mobilität und Wärme, aber auch in die Industrie und Energiewirtschaft vordringen.
    Mit "grünem Wasserstoff" ist Wasserstoff gemeint, der mit Hilfe von Ökostrom erzeugt wird. Gemeinsam mit dem Wirtschafts- und Verkehrsministerium will Karliczek bis Dezember die geplante "Nationale Wasserstoffstrategie" vorlegen. Diese werde mehrere Hundert Millionen Euro kosten.


    Was passiert in den Wasserstoffregionen?


    Die Wasserstoff-Modellregionen sollen zunächst ein Netzwerk mit verschiedenen Akteuren aufbauen. Geplant sind unter anderem eine Strom- und Wärmeversorgung größerer Gebäudekomplexe durch regenerativ erzeugten Wasserstoff - etwa für kommunale und gewerbliche Einrichtungen oder größere Mehrfamilienhäuser. Die Grundidee ist, mit überschüssigem Strom aus Wind- und Solaranlagen per energieintensiver Elektrolyse Wasserstoff herzustellen. Dieser lässt sich speichern und transportieren, er könnte also quasi als Energiespeicher genutzt werden und bei Bedarf in Brennstoffzellen am benötigten Ort zu Wasser verbrannt werden - völlig ohne CO2-Emission.


    Das könnte könnte zum Beispiel auch Betreibern älterer Windparks, deren Förderung ausläuft, neue Chancen eröffnen.
    Der Wasserstoff könnte dann natürlich auch von Autos mit Brennstoffzelle genutzt werden. In den Modellregionen soll geprüft werden, wie etwa der Schwerlastverkehr umgestellt werden kann. Dazu müssten Wasserstofftankstellen installiert werden.
    Konkrete Vorschläge dazu sollen zusammen mit einem vom Bund im Rahmen des Modellvorhabens finanzierten Projektbüro erarbeitet werden. In der zweiten Phase für die Umsetzung sollen dann Fördergelder fließen.


    Das Brennstoffzellen-Auto gibt es - die Infrastruktur fehlt


    Auch Verkehrsminister Scheuer sieht die Brennstoffzellenautos mit Wasserstoff als mögliche Alternative zur Elektromobilität per Batterie. Wasserstoff-Mobilität erfülle alle Anforderungen: Tanken in drei Minuten und eine Reichweite von 500 bis 700 Kilometern. Wichtig sei dabei ein bundesweites Tankstellennetz. Genau das ist auch der Knackpunkt, weshalb Brennstoffzellenautos bislang ein Nischenprodukt sind.
    Die Brennstoffzellentechnologie wird seit Jahrzehnten erforscht, es gibt bereits viele Anwendungsbereiche. Der Autobauer Toyota und andere Hersteller bieten Modelle an. Die anspruchsvolle Technik, bei der Wasserstoff unter sehr hohem Druck in relativ schweren Tanks mitgeführt wird, ist inzwischen recht ausgereift.
    Doch es gibt in Deutschland und international zu wenig Wasserstoff-Tankstellen. Die Autoindustrie ist denn auch vorsichtig. BMW-Chef Oliver Zipse verkündete auf der IAA ein mehrgleisiges Konzept: "Wir werden in der Lage sein, unseren Kunden alle relevanten Antriebsarten anzubieten: konventionelle Motoren, die Maßstäbe bei Effizienz setzen, batterieelektrische Antriebe sowie Plug-in-Hybride und in Zukunft auch die Wasserstoff-Brennstoffzelle."


    MDR Aktuell